OpenAI droht heftiger Werbe-Dämpfer vor dem Börsengang
OpenAI droht bei seinen ehrgeizigen Werbeplänen eine Bauchlandung. Laut einer aktuellen Analyse des US-Marktforschungsunternehmens Emarketer wird das KI-Unternehmen seine Ziele im Anzeigengeschäft voraussichtlich um 90 Prozent verfehlen. Während OpenAI für dieses Jahr 2,5 Milliarden Dollar und bis zum Jahr 2030 gar 100 Milliarden Dollar an Werbeeinnahmen anvisiert, taxiert Emarketer den gesamten globalen Chatbot-Werbemarkt bis 2030 auf gerade einmal 5,41 Milliarden Dollar.
Ist das nur ein Nischenmarkt? Chatbots erobern die Werbebudgets der klassischen Suche offenbar weder kurz- noch langfristig. Die Emarketer-Daten zeigen, dass der gesamte KI-bezogene Werbemarkt im Jahr 2026 zwar ein Volumen von 32,03 Milliarden Dollar erreichen und bis 2030 auf 68,25 Milliarden Dollar anwachsen wird, Anzeigen innerhalb von Assistenten wie ChatGPT oder Microsoft Copilot dieses Jahr jedoch nur acht Prozent davon ausmachen. Über 80 Prozent der KI-Werbegelder fließen stattdessen direkt an Suchanzeigen, die neben generierten Inhalten wie Googles AI Overviews ausgespielt werden – allein in den USA seien das dieses Jahr 26,42 Milliarden Dollar.
Weitere Probleme: Um die ambitionierten Werbeziele zu erreichen, müsste die Nutzerschaft von ChatGPT unaufhaltsam weiter wachsen – doch die Kurve flacht spürbar ab. Zwar knackte der Chatbot im Mai 2026 die Marke von einer Milliarde monatlich aktiven Nutzenden nach 900 Millionen im Februar, doch das Wachstum verlangsamt sich deutlich. Ein weiteres strukturelles Problem: Weil Werbeanzeigen nur in den kostenlosen Versionen ausgespielt werden, sehen ausgerechnet die aktivsten Power-User und die rund 50 Millionen zahlenden Abonnent*innen auf der Plattform überhaupt keine Werbung.
Die Realität: Dabei lief der Start des Werbegeschäfts für OpenAI gar nicht so schlecht. Der US-Pilot startete am 9. Februar mit einer Mindestbuchung von 250.000 Dollar und knackte in sechs Wochen die Marke von 100 Millionen Dollar annualisiertem Umsatz. Zudem wurde die Einstiegshürde im April auf 50.000 Dollar gesenkt, um mehr Werbekunden anzuziehen. Partnerschaften mit Adtech-Playern wie Criteo oder LiveRamp sollten die Inventare weiter pushen. Heute zeigt sich, was daraus geworden ist: Agenturen berichten, dass Testkunden derzeit meist nur überschaubare Budgets von maximal 5.000 Dollar investieren. Das zeigt, dass Marketeers ChatGPT aktuell primär als reines Experimentierfeld betrachten und noch nicht als verlässlichen Performance-Kanal.
Daran hakt es noch: Zwar rüstet OpenAI seinen Ads Manager technisch auf und führt derzeit erste Conversion-Optimierungen wie oCPC (optimierter Cost-per-Click)ein, doch der Plattform fehlen im Vergleich zu Google Ads oder Meta noch elementare Standardwerkzeuge. Viele bemängeln unter anderem das Fehlen von präzisen Zielgruppendaten, transparenten Trigger-Berichten und der Möglichkeit, bestimmte Keywords ausschließen zu können.