E-Commerce mit am stärksten getroffen: Googles jüngstes Core Update produziert mehr Verlierer*innen als Gewinner*innen
Am zurückliegenden Mittwoch hat Google den Abschluss des jüngsten Core Update vermeldet. Einen Tag später hat Johannes Beus vom SEO-Tool Sistrix schon eine Auswertung zu dessen Auswirkungen veröffentlicht. Die dürfte für viele ernüchternd sein: Sistrix hat 134 Verlierer*innen und 32 Gewinner*innen identifiziert. Auf jede*n Gewinner*in kommen also vier Verlierer*innen.
Unter den 134 Verlierer*innen sind 39 Online-Shops – die mit Abstand die größte Gruppe. Der Tier-Marktplatz Snautz.de und der DVD- & Bluray-Shop Media-Dealer sind mit Sichtbarkeitsverlusten von jeweils gut 37 Prozent am stärksten betroffen. Aber auch große Händler*innen wie Notebooksbilliger, Expert und Dehner mussten teils deutliche Einbußen hinnehmen. Neben Shops haben auch Sprach- und Bildung-Tools (u.a. minus 30 Prozent bei Verbformen.de), Rezept- und Food-Portale (minus 29 Prozent bei Kuechengoetter.de) sowie User-Generated-Content-Plattformen und Foren (minus 25 Prozent bei Gutefrage.net) an Sichtbarkeit verloren.
Sichtbarkeitsverluste für viele, -gewinne für wenige, bedeutet, dass sich die Sichtbarkeit stärker konzentriert. "Google stärkt offizielle Quellen und etablierte Marken", schreibt Johannes Beus. Beispiele: Ratiopharm (plus 12 Prozent), die Commerzbank (11 Prozent), die Website des Bundeslandes Hessen (acht Prozent), die Arbeitsagentur (fünf Prozent) und WWF (fünf Prozent). Ebenfalls zugelegt haben die Websites von vier Flughäfen sowie ChatGPT und Bing.
Und als wäre ein Core Update mit deutlich mehr Verlierer*innen als Gewinner*innen für SEOs nicht schon genug an schlechten Nachrichten, vermeldete Google just auch noch einen Reporting-Fehler in der Google Search Console. Durch den seien in einigen Konten für bis 16 (!) Monate möglicherweise zu hohe Impression-Zahlen ausgewiesen worden. Wer den Bug hatte, hat möglicherweise monatelang Entscheidungen auf Basis falscher Daten getroffen – das ist kein kleiner Fehler. In den betroffenen Fällen sollen die Reportings nun nachträglich korrigiert werden. Die Meldung sorgte unter einem Post von US-SEO-Agenturgründer Chris Long auf Linkedin für viele Diskussionen in der Szene.
Sichtbarkeit konzentriert sich stärker bei einigen wenigen, vor allem bei Marken, während Shops verlieren; hinzu kommen noch die Traffic-Verluste durch die AI Overviews (über die ich vor zweieinhalb Wochen berichtet habe) – es wirkt, als würde es Google gelingen, die relevanten Player dazu zu bringen, mehr Geld für Ads auszugeben, weil organische Reichweite immer weniger verlässlich geworden ist. Tim Soulo, CMO des SEO-Tools ahrefs, hat auf Linkedin eine Auswertung des Traffic-Mixes von 75.000 Websites veröffentlicht, die dieses Bild bestätigt. Denn laut der ist bei diesen Seiten der Anteil von organischen Traffic um fünf Prozentpunkte geschrumpft und der von bezahlten Traffic um drei Prozentpunkte gewachsen.
Ein ähnliches Bild hatte erst vor zwei Monaten eine Auswertung der SEO-Expertin Aleyda Solis ergeben.