Sperrliste: Apple nimmt Hunderte Adtech-Firmen ins Visier
Mit iOS 27 hat Apple vor gut zwei Wochen still und leise fünf Programmatic-Player aus Safari ausgesperrt: The Trade Desk samt seiner ID-Lösung Unified ID 2.0, LiveRamp, ID5, Permutive und Audigent. Seitdem können sie dort weder Daten sammeln noch Werbung ausspielen, berichtet das US-Fachmedium AdExchanger. Die Sperre trifft auch andere mobile Browser, denn auf iPhone und iPad muss jeder Browser Apples Engine WebKit nutzen. Jetzt will Apple offenbar noch deutlich mehr Adtech-Player aussperren. Was steckt dahinter?
Was passiert da? Laut zwei Quellen mit direktem Einblick in die WebKit-Updates habe Apple die ursprüngliche Liste der fünf Unternehmen mittlerweile verworfen. An ihre Stelle tritt eine Sammlung mit Hunderten Firmen: CDPs, Adtech- und Martech-Anbieter, Datenhändler, Betreiber von ID-Graphen. Sie alle stehen damit in Wartestellung und können jederzeit von iPhones und Macs ausgesperrt werden. Die Liste liegt in einem privaten GitHub-Repository. Eine Person mit Zugang ließ AdExchanger kurz draufschauen, herausgeben wollte sie die Liste aber nicht.
Warum ist das neu? Bisher brauchte Apple ein iOS-Update, um Firmen zu sperren oder wieder freizugeben. Jetzt fragen Apple-Geräte regelmäßig eine Liste aus der Ferne ab. Sperren können also jederzeit live gehen. Laut den Quellen merken Anbieter nicht unbedingt, ob sie auf der Liste stehen oder schon von "potenziell blockiert" auf "blockiert" gerutscht sind. Nach welchen Kriterien Apple sortiert, weiß derzeit nur Apple selbst. Im öffentlichen WebKit-Code finden sich Prüfungen, die unter anderem auf bekannte seitenübergreifende Tracker und Fingerprinting abzielen.
Was bleibt offen? Eine ganze Menge. Die betroffenen Firmen haben AdExchanger bis Redaktionsschluss nicht geantwortet, eine Stellungnahme von Apple gibt es bisher auch nicht. Auch ob Google-Domains wie ad.doubleclick.net auf der Liste stehen oder Google eine Ausnahme bekommt, ist unklar. Für Nutzende heißt das erst mal potenziell weniger Tracking – für die Branche viele Unsicherheiten und offene Fragen.
OMR Take: Seit iOS-Nutzende gefragt werden, ob sie App-Tracking zustimmen, sind sie auf der Plattform sowieso schon schwieriger zu erreichen als anderswo. Wenn Adtech-Anbieter jetzt wirklich im großen Stil ausgesperrt werden, wird es noch schlimmer. Die Frage ist, ob Apple damit auch das eigene Werbegeschäft pushen will. Das wäre nicht ohne Risiko. 2025 musste das Unternehmen in Frankreich 150 Millionen Euro Strafe zahlen. Der Vorwurf der Wettbewerbsbehörde damals: Für Drittanbieter gälten strengere Regeln als für Apples eigene Dienste. Unangenehm für dich in jedem Fall: Ein Anbieter, der heute funktioniert, kann morgen auf der Liste landen – ohne Ankündigung. Stärker werden damit Daten, die du selbst erhebst, und kontextuelles Targeting. Und falls Google tatsächlich ausgenommen bleibt, wandert noch mehr Budget in die großen geschlossenen Plattformen.