Gestern haben wir euch gesagt, dass OpenAI im September an die Börse gehen könnte. Davon profitiert auch Tech-Investor SoftBank (+20%). Er hält 13% an OpenAI und hatte in Tokio den größten Tagesgewinn seit März 2020. Dazu kommt dass auch Softbank-Tochter SB Energy, die Energieinfrastruktur für Rechenzentren baut, diese Woche ihren Börsengang in den USA angekündigt hat. Sonst hat Softbank oft private Firmen im Depot, die nur schwer zu bewerten sind.
Softbank war nicht die einzige Aktie mit 'ner kräftigen Kursbewegung gestern. Sowohl nach oben als auch nach unten war da einiges geboten.
Schönes Wochenende von Timon, Noah & Christoph.
Was war los gestern?
(Stand 21.05.2026, 22:00 Uhr)
DAX
24.607
-0.53%
STOXX 50
5.960
-0.26%
S&P 500
7.446
+0.17%
NASDAQ
26.293
+0.09%
Bitcoin
77.600 $
+0.16%
Birkenstock
40 $
+19.36%
Zahl des Tages:2028. Das ist das Jahr, in dem Ubisoft (-5%) wieder profitabel sein will. Problem: Genau das gleiche Versprechen hat der Konzern vorher schon für 2027 gegeben und jetzt um zwölf Monate nach hinten geschoben. Die Aktie hat auf Sicht von einem Jahr 55% verloren. Jetzt werden Studios geschlossen, Spiele gestrichen und Stellen abgebaut. Der Fokus soll auf die Cashcows Assassin's Creed, Far Cry und Rainbow Six gelegt werden, während die Firma in kleinere Einheiten umgebaut wird.
Thema des Tages:
Kleine Chips, großes Geld
Die Trump-Regierung hat 2 Mrd. $ in neun Quantencomputing-Firmen investiert und bekommt dafür jeweils Unternehmensanteile. Der größte Brocken geht an IBM: 1 Mrd. $. Damit soll die erste spezialisierte Quantenchip-Fabrik der USA entstehen. IBM legt nochmal 1 Mrd. $ aus eigener Tasche drauf.
Warum neun Firmen statt einer großen Wette? Die Regierung hat selbst zugegeben, dass es Jahre dauern kann, bis sich die Investments auszahlen. Also wird das Risiko breit gestreut.
An der Börse hat's trotzdem gezündet. IBM war 12% im Plus. Chipfertiger GlobalFoundries (375 Mio. $ Förderung, neue Quanten-Sparte) 15% im Plus. Und die kleineren Pure-Plays wie D-Wave (+33%) und Rigetti (31%) sind sogar noch krasser nach oben geschossen.
Was sonst noch los war:
Spotify (+13%) hat seinen ersten Investorentag seit 2022 abgehalten. Das Ziel: 100 Mrd. $ Umsatz bis 2030, eine Verfünffachung zu 2025. Dafür setzt die Firma auf Audiobooks+ (Nutzer können über ihr Hörbuch-Limit hinaus kaufen), KI-basierte Empfehlungen und personalisierte Podcasts. Über eine Million Nutzer zahlen bereits für Zusatz-Hörbücher und die geben mehr Geld aus und bleiben deutlich länger auf der Plattform als andere Nutzer.
Birkenstock (+19%) hat den größten Kurssprung seit dem Börsengang 2023 hingelegt. Das Unternehmen kauft zusätzlich eigene Aktien im Wert von 250 Mio. $ zurück. Das Signal ist klar: CEO Reichert sagt, der Kurs spiegelt nicht die tatsächliche Stärke der Firma wider. Auf Sicht von einem Jahr ist die Aktie trotzdem 30% im Minus.
Bloom Energy (+9%) und Nebius (+15%) kooperieren bei der Stromversorgung von KI-Rechenzentren. Nebius zahlt rund 2,5 Mrd. $ dafür, dass Bloom-Technologie Strom direkt vor Ort erzeugt, ohne auf das überlastete Stromnetz angewiesen zu sein.
Applied Digital (+22%) hat einen langfristigen Mietvertrag mit einem großen amerikanischen Cloud-Konzern abgeschlossen. Nen Namen gab’s nicht.
Deere (-5%) hat bei Umsatz und Gewinn zwar besser als erwartet abgeliefert, aber die Lage für Bauern bleibt wegen hoher Energie- und Düngemittelpreise schwierig. Lichtblick: Das Baumaschinengeschäft boomt dank KI-Rechenzentrum-Nachfrage. Nur ist das deutlich kleiner als das Landwirtschaftsgeschäft.
Stellantis (-2%) hat einen neuen Strategieplan vorgestellt. 70% der Investitionen sollen künftig bei den vier stärksten Marken Jeep, Ram, Peugeot und Fiat landen. Dazu kommt ein klarer Verbrenner-Schwenk: Der neue CEO Filosa macht die Elektro-Strategie seines Vorgängers rückgängig. Hintergrund: 2025 hat der Konzern einen Verlust von 25 Mrd. € gemacht.
In der Kurz-Analyse:
Abbott: GLP-1-Verlierer?
Über 30% Kursverlust seit Jahresanfang, Börsenwert runter auf 150 Mrd. $. Abbott Laboratories gilt als GLP-1-Verlierer, aber so eindeutig ist das nicht. CEO Robert Ford hat direkt nach dem Einbruch für 2 Mio. $ eigene Aktien gekauft, der Finanzvorstand hat auch zugegriffen.
Abbott ist mit über 50% Marktanteil der weltgrößte Hersteller von Geräten für kontinuierliche Blutzuckermessung. Die machen fast 20% vom 44 Mrd. $ Gesamtumsatz aus. Die Sorge ist: Werden die nicht wegen der Abnehmspritze weniger benötigt?
Aber GLP-1 könnte sogar helfen statt schaden: Viele Ozempic-Patienten nutzen die Sensoren aktiv, um die Wirkung der Behandlung zu tracken. Dazu könnte die US-Gesundheitsbehörde CMS bald auch Typ-2-Diabetiker ohne Insulin abdecken.
Der zweite große Faktor: Abbott hat Exact Sciences für 21 Mrd. $ übernommen. Das Unternehmen macht 3 Mrd. $ Umsatz, ist aber noch nicht profitabel.
Das Kernprodukt: Cologuard, der führende Darmkrebs-Test für zuhause. Umsatz zuletzt über 20% gewachsen.
Der Hebel: Exact Sciences gibt fast 60% vom Umsatz für Vertrieb und Verwaltung aus, bei Abbott sind's unter 30%. Über Abbotts bestehendes Vertriebsnetz könnten die Kosten massiv sinken.
Das Risiko: Guardant Health hat ein Konkurrenzprodukt gebracht, bequemer als Cologuards Stuhltest, wenn auch weniger genau.
Was ist Abbott jetzt wert? Wächst Abbott weiter wie bisher 8% pro Jahr und gelingt die Integration kommt man 2028 auf über 8,5 Mrd. $ Nachsteuergewinn. Selbst bei einem historisch niedrigen KGV von 25 wären das 212 Mrd. $ Börsenwert und damit 40% über dem aktuellen Kurs.
Aber: Die Firma hat nach der Übernahme mehr als 20 Mrd. $ Schulden und geht das Wachstum eher zurück, dürfte das den Kurs weiter drücken.
180 Mrd. $ Umsatz im letzten Quartal, 7% Wachstum, Erwartungen geschlagen. Die Zahlen vom größten Einzelhändler der Welt sehen erstmal gut aus. Trotzdem war die Aktie gestern um 7% down.
Neue Kunden: Wegen der Inflation kaufen immer mehr Gutverdiener bei Walmart ein. Kleidung und Haushaltswaren sind besonders gut gelaufen.
E-Commerce: +25% im Quartal.
Geheimwaffe Werbung: Das Werbegeschäft wächst um 35%. Vor knapp einem Jahr hat Walmart den Smart-TV-Hersteller Vizio für 2 Mrd. $ gekauft. Wer einen Vizio-Fernseher einschaltet, sieht Werbebanner, die Walmart kontrolliert. Weil Walmart weiß, was Kunden kaufen, kann es Marken beweisen, dass ein TV-Spot direkt zum Kauf geführt hat. Dafür zahlen die viel.
Das Problem ist der Ausblick. Walmart hat zwar die Jahresprognose bestätigt (ca. 4% Wachstum), aber die Gewinnschätzung liegt unter den Analystenerwartungen. Erst zum dritten Mal seit 16 Quartalen konnte Walmart die Gewinnschätzungen der Analysten nur treffen und nicht schlagen.
Bei einem Börsenwert von fast einer Billion Dollar und einem KGV von 40 reicht "okay" nicht. Nach Target hat jetzt auch Walmart einen vorsichtigen Ausblick gegeben. Wenn die beiden größten US-Einzelhändler so pessimistisch sind, ist das ein schlechtes Zeichen für die gesamte US-Wirtschaft.
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