Gestern gab's die erste Leitzins-Meldung unter dem neuen Zentralbankchef der Amis - Kevin Warsh. Wie erwartet wurden die Leitzinsen nicht angehoben. Spannend war aber schon, was die Zentralbanker für die kommenden Monate erwarten. Da geben ja alle regionalen Zentralbanker Prognosen ab, und im März haben noch 12 Banker eine Zinssenkung dieses Jahr erwartet. Jetzt ist's ein einziger. Dafür erwarten sogar 9 eine Zinserhöhung. Grund ist natürlich die gestiegene Inflation. Die Börse hat am Ende des Tages eher negativ auf die Meldung reagiert.
In Deutschland gibt's immer noch viel zu viele Menschen, die sich nicht mit dem Kapitalmarkt beschäftigen oder fürs Alter vorsorgen. Das versuchen wir zu ändern. Mit dem Podcast, dem Newsletter, unseren Social-Media-Kanälen und jetzt auch mit Workshops für Firmen.
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Was war los gestern?
(Stand 17.06.2026, 22:00 Uhr)
DAX
24.935
+0.10%
STOXX 50
6.300
+0.68%
S&P 500
7.420
-1.21%
NASDAQ
26.022
-1.34%
Bitcoin
64.294 $
-2.00%
uniQure
48 $
+78.44%
Zahl des Tages:2.195 $. So viel kostet die neue AR-Brille von Snap. Der CEO Evan Spiegel hat am Dienstag die nächste Generation seiner AR Glasses vorgestellt und drückt das Projekt weiter durch, obwohl Investoren seit Jahren fordern, dass Snap sich aufs Kerngeschäft fokussiert. Spiegel hat genug Stimmrechte, um das zu ignorieren. Wenn man sich anschaut, wie schwer sich Apple mit der Vision Pro tut, kann man verstehen, warum die Snap-Aktie gestern rund 8% verloren hat. Generell ist schon krass: Snap gibt rund 500 Mio. $ im Jahr für die Brillen-Entwicklung aus, bei grade mal 8 Mrd. $ Börsenwert.
Thema des Tages:
Dealmaker sind reich & arm
Goldman Sachs hat in diesem Jahr Übernahmen im Wert von über 1.000 Mrd. $ begleitet. So schnell hat noch nie eine Investmentbank diese Deal-Marke geknackt. Die gemessen am Volumen zweitplatzierte Bank liegt 300 Mrd. $ hinter Goldman. Zu den größten Mandaten gehören zum Beispiel die Fusion von Dominion und NextEra Energy (über 100 Mrd. $) und der Verkauf des Unilever-Lebensmittelgeschäfts (rund 50 Mrd. $).
Aber nicht jeder Deal läuft.
Der legendäre Software-Investor Thoma Bravo hat gerade den zweitgrößten Verlust in der Geschichte der Private-Equity-Industrie eingefahren. 2021 hat er 5 Mrd. $ investiert und die Software-Firma Medallia gekauft. Zu viele Schulden, zu optimistisches Wachstum eingeplant. Jetzt hat er die Firma an die Kreditgeber übergeben (vor allem Blackstone, Apollo und KKR) und die kompletten 5 Mrd. $ sind weg.
Gigadeal-Gerücht aus Hamburg.
Das Manager Magazin hat berichtet, dass MSC, die größte Containerreederei der Welt, Hapag-Lloyd kaufen will. Der 85-jährige MSC-Eigentümer Gianluigi Aponte soll hinter dem Vorstoß stecken. Aktuell scheint das schwierig: Klaus Michael Kühne und die chilenische Reederei CSAV halten zusammen 60% und haben einen Pakt geschlossen, bis 2030 nicht zu verkaufen. Allerdings gab's bei der chilenischen Reederei zuletzt Management-Wechsel, die den Pakt aufweichen könnten. MSC hat die Gerüchte bestritten. Wäre aber ein gigantischer Deal, falls er doch kommt.
Was sonst noch los war:
UniQure (+78%) hat ein positives Signal von der US-Arzneimittelbehörde FDA für ihr Medikament gegen die Huntington-Krankheit bekommen. Dadurch könnte die Zulassung schneller kommen. Gleichzeitig ein Beispiel dafür, wie riskant Biotech-Investments sind: Die Aktie ist im September wegen starker Studiendaten gestiegen, im November abgestürzt (FDA meinte, Studie war zu klein), im März nochmal gefallen (FDA meinte, neue Studie nötig). Jetzt hat die Behörde ihre Meinung wieder geändert. Börsenwert: knapp 3 Mrd. $.
Auto1 (+10%) hat verkündet, mittelfristig 1,5 Mio. Autos pro Jahr verkaufen zu wollen. Das wäre doppelt so viel wie aktuell. Trotz des Kursanstiegs steht die Aktie im Gesamtjahr aber immer noch im Minus.
Ferrari bekommt laut Bloomberg-Insidern aus dem Sammlernetzwerk ungewöhnliche Unterstützung für den elektrischen Ferrari: Sammler kaufen das E-Auto wohl auch deshalb, um ihre Chancen auf limitierte Sammlermodelle zu erhöhen. Zeigt, wie stark die Marke ist. Könnte die Verkaufszahlen in den kommenden Wochen positiv verzerren.
Iran-Deal: Trump hat klargestellt, dass der Deal mit dem Iran nicht final ist und er sofort wieder Bomben werfen wird, wenn die Verhandlungen nicht laufen. Rund um den G7-Gipfel gab's viele kritische Stimmen, die meinten, der Deal zum Atomprogramm sei nicht wirklich besser als Obamas Version. An der Börse hat das gestern für vorsichtige Stimmung gesorgt.
In der Kurz-Analyse:
Indonesiens Absturz
Nächste Woche entscheidet MSCI, ob Indonesien aus dem wichtigen Schwellenländer-Index fliegt und zum Frontier-Markt abgestuft wird. Dann wäre das Land in einer Liga mit Pakistan oder Vietnam. Das klingt technisch, hat aber krasse Folgen: Alle ETFs und Fonds, die den Index nachbilden, müssten indonesische Aktien verkaufen. Goldman Sachs schätzt, dass dadurch rund 13 Mrd. $ abfließen könnten.
Schon die Warnung im Januar hat den heftigsten Kurssturz seit der Asienkrise 1998 ausgelöst. Der Leitindex ist dieses Jahr um 30% gefallen, das macht Indonesien zum schlechtesten Aktienmarkt der Welt. Auch die Landeswährung Rupiah ist auf ein Rekordtief zum Dollar gefallen, was Importe (vor allem Öl) deutlich teurer macht.
Das Strukturproblem: Bloomberg nennt es "frittierte Aktien" - sie sehen von außen gut aus, aber sind eigentlich ungesund. Große Teile vieler Firmen gehören den reichsten Familien des Landes, der frei handelbare Anteil ist oft winzig. Wenig Handel reicht, um Kurse stark zu bewegen. Genau das kritisiert MSCI: intransparente Eigentümer und der Verdacht auf Manipulation.
Beispiel Bukalapak: 2021 war der Börsengang einer der größten des Landes. Heute ist die Aktie vom Hoch über 90% gefallen, die Firma nur noch 560 Mio. $ wert (nicht mal das Doppelte vom Umsatz). Vor vier Jahren war sie das 14-Fache wert. Der Grund: jahrelange Verluste und harter Wettbewerb mit Shopee und Tokopedia (mittlerweile von ByteDance kontrolliert).
Gegenmaßnahmen: Die Finanzaufsicht hat den geforderten Streubesitz von 7,5% auf 15% verdoppelt (laut Bloomberg vorher die niedrigste Anforderung der Region). Dazu wurden die Zinsen erhöht, um die Währung zu stützen.
Ob das reicht, muss MSCI jetzt entscheiden. Der Fall zeigt aber mal wieder, wie stark die Stimmung rund um ein ganzes Land Kurse beeinflussen kann. Und wieso niedrige Bewertungen in solchen Märkten nicht automatisch Schnäppchen sind.
Für ein paar Stunden war Ether letzte Woche nicht mehr die zweitwertvollste Kryptowährung der Welt. Der Gesamtwert ist auf 182 Mrd. $ gefallen, während im Stablecoin Tether 187 Mrd. $ stecken. Ein krasses Beispiel für den Stablecoin-Boom und gleichzeitig dafür, wie schlecht es bei den traditionellen Coins läuft.
Und genau dieser Boom bringt uns zu Visa und Mastercard. Beide haben ein extrem stabiles Geschäftsmodell, krass hohe Margen und eine starke Langzeit-Performance. Trotzdem haben beide dieses Jahr an Börsenwert verloren (Visa -5%, Mastercard -10%). Das erwartete KGV liegt bei beiden um die 25, der Schnitt der letzten 10 Jahre eher bei 30. Ein Grund: die Angst vor staatlichen Bezahllösungen wie Pix in Brasilien. Ein anderer: Stablecoins. Aber wie gehen die beiden damit um?
Mastercard kauft sich tief rein: Für fast 2 Mrd. $ hat Mastercard dieses Jahr BVNK übernommen, eine Plattform zum Verschicken, Empfangen und Verwalten von Stablecoins für Firmen. Die Strategie dahinter: Stablecoins sind eher ein Hintergrund-Thema für Firmentransaktionen und Auslandsüberweisungen, nicht für klassische Kartenzahlungen. Mastercard will die Infrastruktur selbst besitzen und Gebühren auf das ganze Volumen kassieren.
Visa setzt auf Partnerschaften: Statt eine eigene Plattform zu bauen, arbeitet Visa mit vielen Stablecoin-Firmen zusammen. Zum Beispiel geben viele davon Visa-Karten raus, hinter denen statt einem Konto eine Stablecoin-Wallet steckt. Dazu hilft Visa bei Zahlungsabwicklung und Betrugsprüfung. Das verarbeitete Stablecoin-Volumen lag letztes Quartal bei 7 Mrd. $ aufs Jahr hochgerechnet, 50% mehr als im Quartal davor.
Mastercard ist tiefer integriert und verdient mehr, wenn sich ihr System durchsetzt. Visa ist breiter diversifiziert. Beide haben durch ihr riesiges Kartennetzwerk aber starke Argumente für jede Stablecoin-Firma, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Dass Stablecoins zum großen Risiko fürs Kerngeschäft werden, scheint aktuell nicht absehbar.
Kurzer WM-Seitenblick: Auf Polymarket hat ein Nutzer fast 1 Mio. $ verloren, weil er auf einen Sieg Spaniens gegen Kap Verde gewettet hat. Es wurde nur ein 0:0. Gewonnen hätte er gerade mal 90.000 $. Allein auf dieses Spiel sind insgesamt auf Polymarket übrigens 64 Mio. $ an Wetten getradet worden.
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