Gestern war wieder Merger Monday und es gab gleich drei fette Deals auf einen Schlag:
Nr. 1: Schneider Electric kauft PTC für 23 Mrd. $
Der französische Industriekonzern Schneider Electric (-10%) schnappt sich die US-Softwarefirma PTC (+33%). Das ist die größte Übernahme der Firmengeschichte. Schneider will damit tiefer ins Software-Geschäft, ähnlich wie Siemens es seit Jahren versucht. Das Timing ist gut: Software-Aktien sind durch KI-Sorgen günstiger geworden (PTC hat dieses Jahr 17% verloren), während Schneider als Elektrifizierungs-Profiteur vom KI-Boom seit Jahresbeginn rund 30% zugelegt hat. Einen Teil des Kaufpreises finanziert Schneider mit den eigenen (teuren) Aktien.
An der Börse kam's trotzdem nicht gut an. Schneider zahlt 40% mehr als der Schlusskurs vom Freitag und will bis zu 17 Mrd. € an neuen Schulden aufnehmen. Schneider könnte mit seiner Einkaufstour noch nicht am Ende sein. Die Franzosen haben allein in den letzten Monaten den KI-Spezialisten Cognite (3 Mrd. $) und Shelly aus Bulgarien (über 1 Mrd. $) übernommen.
Nr. 2: GE HealthCare kauft Sofie Biosciences für 950 Mio. $
GE HealthCare (+2%) kauft sich mit Sofie Biosciences in den Bereich Radiopharmaka ein. Das sind radioaktive Substanzen, die bei Untersuchungen eingesetzt werden, um z.B. Krebs in PET-Scans sichtbar zu machen. Passt perfekt, weil GE die dazugehörigen Geräte baut.
Dazu bekommt GE die US-Rechte an einem Wirkstoff in später Testphase, der künftig verschiedene Krebsarten erkennen könnte. Radiopharmaka sind gerade ein echtes Deal-Thema: Erst im August hat der Konkurrent Curium angekündigt, Lantheus für bis zu 8 Mrd. $ zu kaufen.
Nr. 3: C.H. Robinson kauft RXO für fast 6 Mrd. $
Der US-Frachtvermittler C.H. Robinson (-11%) übernimmt den kleineren Konkurrenten RXO (+22%). Beide sind Broker, die zwischen Firmen mit Transportbedarf und Spediteuren vermitteln. C.H. Robinson setzt stark auf KI und will durch den zusammengelegten Konzern rund 300 Mio. $ an Kosten sparen.
Spannend ist der Deal auch wegen Brad Jacobs. Der Seriengründer hat RXO 2011 aus seinem Imperium ausgegründet. Sein Muster ist immer gleich: In einer zersplitterten Branche viele kleine Firmen aufkaufen, Abläufe optimieren, einen Riesen formen. So sind United Waste Systems, United Rentals und die Logistikfirma XPO entstanden.
Was sonst noch los war:
- Der Euro ist auf den tiefsten Stand seit Mai 2025 gefallen. Hauptgrund: die Schulden- und Haushaltskrise in Frankreich. Anleger verlangen für französische Anleihen so viel mehr Zinsen als für deutsche wie zuletzt 2011. Gleichzeitig wird am Markt damit gerechnet, dass die US-Notenbank die Zinsen weiter anheben muss, was den Dollar stärker und den Euro noch unattraktiver macht.
- Cerebras (+9%) hat davon profitiert, dass OpenAI-Chef Sam Altman die Firma auf X als engen Partner bezeichnet hat. Cerebras baut ungewöhnlich große KI-Chips, die darauf spezialisiert sind, Modelle besonders schnell laufen zu lassen. Zuletzt war die Aktie unter Druck, weil SemiAnalysis berichtet hatte, dass OpenAI für sein neuestes Modell offenbar Nvidia-Chips statt Cerebras-Hardware nutzt. Altmans Post scheint da eine andere Sprache zu sprechen. Trotzdem hat sich die Aktie seit dem IPO im Mai circa halbiert.
- Volare Shipping (+4%) hatte gestern den ersten Handelstag an der Börse in Oslo. Die Reederei profitiert davon, dass durch den Nahost-Konflikt die Preise fürs Tanker-Chartern auf Rekordhöhen geschossen sind. Es kostet aktuell über 1 Mio. $, einen großen Öltanker im Persischen Golf zu mieten. Volare startet mit sechs Riesentankern, acht weitere sind bestellt.