Der Speicherchiphersteller Micron hat im letzten Quartal 38 Mrd. $ Gewinn nach Steuern gemacht. Es gibt keine Firma in Deutschland, die so viel Gewinne macht. Und zwar nichtmal im Gesamtjahr.
Auch sonst hatte Micron wieder extrem starke Zahlen. Umsatz verfünffacht, Gewinn mehr als verzehnfacht. Starke Prognose für dieses Quartal.
Aber die Aktie hat sich gestern nach Börsenschluss trotzdem nicht bewegt. Am Ende hängt die Aktie nämlich an der langfristigen Sorge, dass der Speicherchip-Markt wieder in eine Flaute kommen könnte in 2,3 oder 5 Jahren. Und daran ändern auch die Q-Zahlen wenig.
Was war los gestern?
(Stand 30.09.2026, 22:00 Uhr)
DAX
25.199
-0.79%
STOXX 50
6.269
-0.81%
S&P 500
7.652
-0.25%
NASDAQ
26.861
+0.24%
Bitcoin
83.681 $
+0.07%
Eventim
53 $
-6.20%
Zahl des Tages:3.000.000.000 $. So viel hat Hedgefonds-Milliardär Ken Griffin an die Carnegie Mellon University gespendet. Es ist die größte Spende, die je an eine amerikanische Uni gegangen ist. Ganz selbstlos ist’s nicht: Griffin baut für mehrere Milliarden ein neues Headquarter für seine Firma Citadel in Miami und lebt auch dort. Wenn eine der Top-Unis einen großen Campus in der Stadt hochzieht, macht das Miami als Standort attraktiver und treibt nebenbei auch den Wert seiner Immobilien nach oben.
Thema des Tages:
Entlassen, Entlassen, Entlassen
Die deutsche Wirtschaft spart beim Personal.
Nr. 1: BMW (+2%)
Der neue BMW-Chef will über 100 Manager entlassen, viele davon auf den obersten Etagen. Spannend: Anders als VW setzt BMW bei der Produktion in Deutschland nicht den Rotstift an, sondern investiert sogar 2 Mrd. € in den Ausbau. Skeptiker fragen sich, ob das aufgehen kann, weil die Produktion hier eben deutlich teurer ist als in China.
Die alte Zielmarge von 8-10% soll übrigens erst in den 2030er Jahren wieder erreicht werden. Selbst 2028 peilt BMW nur 3-5% an. Dass die Aktie auf so niedrige Ziele positiv reagiert, zeigt, wie tief die Erwartungen in der Autobranche mittlerweile sind.
Nr. 2: Mercedes (-0%)
Mercedes hat ein freiwilliges Abfindungsprogramm für alle Mitarbeiter außerhalb der Produktion gestartet. Wer nicht gehen will, muss nicht. Und Schlüsselpersonen kann Mercedes das Angebot wieder entziehen. Die Abfindungen sind teilweise heftig: Laut Handelsblatt kann ein 55-jähriger Teamleiter mit 9.000 € Bruttomonatsgehalt und 30 Berufsjahren über 500.000 € kassieren.
Passend dazu hat Mercedes diese Woche auch eine neue Büropflicht eingeführt (vier Tage pro Woche). Die Aktie hat auf die News kaum reagiert, weil der Markt mit solchen Maßnahmen schon gerechnet hat.
Nr. 3: CTS Eventim (-6%)
Deutlich überraschender war die Personalie bei CTS Eventim. Der Finanzchef William Willms wurde nach nur 9 Monaten im Amt entlassen. Das ist vor allem bitter, weil seine Vorgänger es jeweils keine zwei Jahre ausgehalten haben.
Was genau vorgefallen ist, wurde nicht kommuniziert. Unter seiner Führung (und Investorenkommunikation, die ja auch zum CFO-Job gehört) hat die Aktie aber nicht gut performed. Dieses Jahr ist sie über 30% im Minus.
Was sonst noch los war:
US-Inflation niedriger als erwartet. Die lag im August bei rund 3% und damit unter den Erwartungen. Gleichzeitig sind die inflationsbereinigten Konsumausgaben um 0,6% gestiegen, so stark wie seit März nicht mehr. Gute Nachrichten für die Wirtschaft und eventuell auch dafür, dass die Zentralbank die Zinsen nicht weiter anheben muss. Tech-Aktien haben entsprechend positiv reagiert.
Cal-Maine Foods (-30% in 12 Monaten) bekommt die Eier-Normalisierung voll zu spüren. Der durchschnittliche Verkaufspreis für ein Dutzend Eier ist um über 59% eingebrochen. Der Umsatz ist über 40% gefallen. Letztes Jahr hat der größte US-Eierproduzent noch massiv von der Knappheit profitiert.
Hormel Foods hat für 1 Mrd. $ den Hühnchen-Verarbeiter Brakebush Brothers übernommen. Der Konzern, den die meisten für seine SPAM-Fleischkonserven kennen, will damit vom Protein-Boom profitieren.
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Die Dividende von TotalEnergies soll bis 2030 jedes Jahr um mehr als 5% steigen. Aktuell liegt die Dividendenrendite bei 4,5%, dazu kauft TotalEnergies allein im vierten Quartal für 2,5 Mrd. $ eigene Aktien zurück. Bezahlt wird das aus dem Kerngeschäft mit Öl und Gas, wo die Förderung bis 2030 jedes Jahr um mehr als 3% zulegen soll.
Der freie Cashflow soll um rund 10 Mrd. $ steigen, ohne dass dafür die Öl- und Gaspreise steigen müssen. 2030 reicht dem Konzern schon ein Ölpreis von 35 $, um Investitionen und Dividende aus dem laufenden Geschäft zu bezahlen.
Aber der spannende Teil ist der Strombereich:
Der Plan: TotalEnergies produziert Strom aus Solar- & Windparks, Gaskraftwerken und Batteriespeichern und verkauft ihn direkt an Großkunden. Bis 2030 soll die Stromproduktion jedes Jahr um mehr als 20% wachsen, auf 100 bis 120 Terawattstunden. Das ist gut ein Fünftel vom deutschen Stromverbrauch.
Prominenter Kunde: Google. Für dessen Rechenzentren in Texas liefert TotalEnergies 15 Jahre lang Solarstrom aus zwei neuen Parks mit zusammen einem Gigawatt Leistung. Der größte Ökostrom-Liefervertrag, den TotalEnergies in den USA je abgeschlossen hat.
Das Kalkül: Anders als BP und Shell, die ihre Ökostrom-Pläne zurückgefahren haben, baut TotalEnergies den Strombereich aus. Damit wird der Konzern ein Stück zum Versorger. Und die werden an der Börse meistens höher bewertet als Ölkonzerne. RWE und Iberdrola kommen auf ein erwartetes KGV von rund 19, TotalEnergies nur auf 8.
Noch macht der Strombereich erst rund 10% vom operativen Gewinn aus. Die Expansion ist teuer. Erst ab 2027 soll unterm Strich was übrigbleiben.
Die Aktie ist dieses Jahr um die 35% im Plus, TotalEnergies ist jetzt rund 170 Mrd. € wert. Sinkt der Ölpreis wieder, fehlen dem Konzern pro 10 $ weniger rund 3 Mrd. $ im Jahr. Kurzfristig gibt's außerdem ein politisches Risiko: Weil die Gewinne grade so hoch sind, fordern Politiker in Frankreich eine Übergewinnsteuer.
Alle reden davon, dass Krypto-Plattformen die traditionelle Finanzwelt angreifen. Auf der dezentralen Kryptobörse Hyperliquid wird plötzlich auf Ölpreise und Aktien gewettet, Prediction Markets attackieren Sportwettenanbieter. Aber es gibt eine Firma aus der traditionellen Welt, die all diese Trends mitgeht und damit vielleicht sogar zur Gefahr für die Krypto-Player wird: Robinhood.
Perpetual Futures: Robinhood hat gestern angekündigt, Perpetual Futures mit bis zu zehnfachem Hebel anzubieten. Das ist eins der beliebtesten Instrumente in der Kryptowelt, weil sie kein fixes Enddatum haben und sehr einfach zu „bedienen“ sind. Jetzt gibt's die auch bei Robinhood.
Wochenend-Trading: Manche US-Aktien sollen rund um die Uhr handelbar sein, auch am Wochenende. Robinhood erlaubt schon länger 24-Stunden-Trading unter der Woche und hat gesagt, dass an unruhigen Tagen rund ein Viertel des gesamten Handels außerhalb der klassischen Handelszeiten stattfindet.
Produktoffensive: In den letzten Jahren hat Robinhood in den USA sehr schnell viele neue Produkte rausgebracht, die echten Umsatz machen. Im letzten Quartal gab's 1 Mio. Neukunden, so viele wie seit fünf Jahren nicht.
Das Neukundenwachstum ist bisher aber eher die Ausnahme. Die Anzahl der Konten mit Geld liegt bei rund 28 Mio. Viel, aber vor fünf Jahren waren es auch schon 22 Mio. Bei einer Firma, die bei rund 5 Mrd. $ Umsatz und 2 Mrd. $ Gewinn mit 100 Mrd. $ bewertet wird, braucht‘s langfristig mehr Nutzerwachstum.
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