Keine guten Nachrichten zum Wochenabschluss: Die Big Techs entlassen wieder.
Meta lässt 10% der Mitarbeiter (8.000) gehen und besetzt 6.000 offene Stellen nicht. Und Microsoft hat 7% der Mitarbeiter Abfindungspakete angeboten.
Passend dazu gab's gestern viele Software-Sorgen, aber dafür geht der Chip-Boom weiter.
Schönes Wochenende von Timon, Christoph & Noah
Was war los gestern?
(Stand 23.04.2026, 22:00 Uhr)
DAX
24.155
-0.16%
STOXX 50
5.895
-0.19%
S&P 500
7.108
-0.41%
NASDAQ
24.439
-0.89%
Bitcoin
77.957 $
-0.30%
Texas Instruments
282 $
+19.43%
Begriff des Tages: Lippenstift-Effekt. L'Oréal hat gestern um die 10% zugelegt, nachdem der Umsatz bereinigt um Sondereffekte um 7% gewachsen ist. So schnell wie seit zwei Jahren nicht mehr. Der CEO hat das mit dem Lippenstift-Effekt erklärt: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten gönnen sich Konsumenten kleine Luxusartikel wie Beauty-Produkte, um sich besser zu fühlen. Genau das sieht man wohl grade krass in Europa.
Und auch in China wird mehr Beauty geshoppt. Da war die Begründung, dass der Aktienmarkt grad besser läuft.
Thema des Tages:
Software crasht
ServiceNow hat gestern 18% verloren. Und mit runter ging praktisch die gesamte Software-Branche: Salesforce, Intuit, Adobe, Snowflake und Co. haben jeweils über 5% abgegeben.
Dabei waren die Zahlen auf den ersten Blick gar nicht schlecht. ServiceNow hat sogar die KI-Umsatzprognose fürs Gesamtjahr von 1 Mrd. $ auf 1,5 Mrd. $ angehoben.
Warum ist die Börse dann so nervös?
Ein Analyst hat eine Frage gestellt, die das ganz gut zeigt: Wenn ServiceNow angeblich so stark von KI profitiert, warum wächst dann das Geschäft im Vergleich zu den AI Labs so langsam? Anthropic, OpenAI und Co. haben alleine im ersten Quartal 5 Mrd. $ an Umsatz zugelegt. Bei ServiceNow geht's um 1,5 Mrd. $ bis Ende des Jahres, obwohl die Firma viel größer ist. Fairerweise ist der Vergleich aggressiv, aber er zeigt, wie die Logik an der Börse funktioniert.
ServiceNow ist nach dem Absturz nur noch 90 Mrd. $ wert. Anfang 2025 waren's fast 250 Mrd. $. Die aktuelle Bewertung entspricht dem 20-Fachen vom erwarteten Gewinn. Der Schnitt der letzten drei Jahre: das 50-Fache.
Die gute Nachricht: Nach Börsenschluss gab's auch Zahlen von SAP. Die haben tagsüber auch 5% verloren, wegen der ServiceNow-Sorgen. Nach Börsenschluss ist die Aktie aber fast 10% gestiegen. Die Zahlen waren gar nicht so überragend, aber solide. (27% Wachstum im Cloud-Business ohne Währungseffekte).
Dafür hat SAP letztes Quartal 2,6 Mrd. € an eigenen Aktien zurückgekauft. Eigentlich sind 10 Mrd. € über 2 Jahre geplant. Und die Bewertung von SAP ist auch einen Tick tiefer als bei ServiceNow.
Was sonst noch los war:
Texas Instruments (+20%) hat den besten Börsentag seit April 2001 hingelegt. Der Industrie-Chipriese (260 Mrd. $ Börsenwert) profitiert nicht nur von KI-Chips für Strommanagement (+90% Wachstum im Q1), sondern sieht zum ersten Mal seit langer Zeit Stärke in allen Regionen, allen Industriebereichen und bei allen Kundengrößen. Bonus: Die großen Investitionen in neue Fabriken sind abgeschlossen, während die Umsätze jetzt anziehen. Perfektes Timing.
Infineon (+10%) hat von den starken Texas-Instruments-Zahlen mitprofitiert. Als europäischer Industrie-Chipkonzern ist Infineon ähnlich aufgestellt und würde von einer breiten Erholung im Industriebereich profitieren.
SK Hynix (±0%) hat den Gewinn letztes Quartal verfünffacht. Extrem starke Zahlen, aber nach fast 90% Kursplus in diesem Jahr war das schon eingepreist.
Auch bei Intel (+15%) gab's nach Börsenschluss starke Zahlen. Der Umsatz und die Prognose waren weit über den Erwartungen. Grund natürlich: KI-Nachfrage nach CPUs und Auftragsfertigungen.
In der Kurz-Analyse:
Nestlés Neustart
In sechs der letzten sieben Jahre ist der China-Umsatz von Nestlé gefallen. Und jetzt kommt raus: Laut Financial Times hat Nestlé chinesischen Händlern systematisch mehr Ware reingedrückt als die verkaufen konnten. Angeblich, um Absatzziele zu erreichen. Nestlé-interne Quellen nennen das laut FT „einen einfachen Weg, seinen Bonus zu kriegen."
Aber China ist nicht das einzige Problem. In zwei Jahren hat Nestlé zwei CEOs verloren, dazu gab's einen weltweiten Rückruf von Säuglingsnahrung.
Seit Herbst 2025 räumt der neue CEO Philipp Navratil auf. Sein Plan:
Randmarken raus: Blue Bottle Coffee geht an den Investor Centurium Capital (der auch Luckin Coffee aus der Krise geholt hat). Physische Läden im High-End-Segment, kaum Synergien mit dem Restgeschäft. Auch fürs Wassergeschäft werden Käufer gesucht, und Ankerkraut ging zurück an die Gründer.
Fokus aufs Kerngeschäft: Kaffee, Tierfutter, Snacks. Der Kaffee-Umsatz ist im letzten Quartal organisch um fast 10% gestiegen, angetrieben von Nescafé. Der CEO nennt es den „Star im Portfolio."
Sparprogramm: 16.000 Stellen weltweit werden gestrichen, davon rund 260 in Deutschland.
Marketing-Offensive: Partnerschaft mit Dua Lipa bei Nespresso, dazu die virale KitKat-Kampagne nach einem Truck-Diebstahl. Genau solche Aktionen will der CEO häufiger sehen.
Gestern gab's Quartals-Zahlen:
Und insgesamt hat Nestlé 3,5% organisches Wachstum geliefert. Der Großteil kam durch Preiserhöhungen, aber 1,2% durch echtes Mengenwachstum. Genau auf den Wert schauen alle Investoren.
Die Aktie hat auf die Zahlen positiv reagiert, liegt auf Jahressicht aber noch rund 5% im Minus. Der Börsenwert von 210 Mrd. € steht für ein KGV von 17, günstiger als der Schnitt der letzten Jahre. Dazu gibt's 4% Dividendenrendite und erste Zeichen, dass der Turnaround klappen könnte. Aber eben auch weiter viele Baustellen.
Rogers Communications ist mit 11 Mio. Kunden Kanadas größter Mobilfunkanbieter. Aber das Spannende liegt woanders: Rogers gehört die Mehrheit an den Toronto Raptors (NBA), Toronto FC (Fußball) und die Toronto Blue Jays (Baseball). Und dazu gehören ihnen teilweise die Arenen.
Jetzt will Rogers die Teams komplett übernehmen und das gesamte Sportgeschäft in eine eigene Firma ausgliedern. Der Grund: Laut Management wird der Wert vom Sport-Business nicht gesehen, weil es hinter dem Mobilfunkgeschäft versteckt ist. Bis 2027 sollen Anteile an der neuen Firma verkauft werden, damit's einen klaren Preis gibt.
Die Bewertung: Forbes schätzt den Gesamtwert der Teams auf rund 13 Mrd. $. Das Management ist noch optimistischer und sieht allein den eigenen Anteil bei 12 bis 15 Mrd. $. Rogers ist an der Börse nur 18 Mrd. $ wert. So gesehen gibt's das Mobilfunkbusiness fast gratis dazu.
Der Haken: Rogers hat über 25 Mrd. $ Nettoschulden, weil 2023 der Konkurrent Shaw mit hohen Schulden übernommen wurde. Bei einem operativen Gewinn von 3,5 Mrd. $ (der durch hohe Abschreibungen gedrückt wird) ist das ordentlich. In Zukunft sollte der aber auf ca. 4,5 Mrd. $ steigen.
Die Rechnung: Wenn man die Sport-Teams rausrechnet, bewertet die Börse das Telco-Business mit nur 28 Mrd. $. Das entspricht dem Sechs-Fachen vom normalisierten operativen Gewinn. Und das bei 30% Marktanteil und über 4% Dividende.
ABER: Die Bewertungen für die Sportteams könnten niedriger ausfallen, und die Sport-Ligen müssen jedem Eigentümerwechsel zustimmen. Dazu ist das Geschäft stark reguliert.
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