Insgesamt war gestern kein guter Börsentag: Ölpreis wegen Angriffen auf Iran rauf und Anleiherenditen rauf. Das hat die Aktienmärkte belastet. Dazu sind die Verbraucherpreise in der Euro-Zone um 3,3% gestiegen. Das lässt die Sorgen vor Zinserhöhungen steigen, die schlecht für Aktien wären.
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Einen schönen Mittwoch wünschen Timon, Christoph & Noah.
Was war los gestern?
(Stand 01.09.2026, 22:00 Uhr)
DAX
25.970
-2.26%
STOXX 50
6.369
-0.80%
S&P 500
7.631
-0.71%
NASDAQ
26.100
-1.03%
Bitcoin
77.356 $
-1.53%
GoPro
1.23 $
+40.38%
Zahl des Tages:8. Air Liquide (+2%) ist das achtgrößte Unternehmen Frankreichs mit 110 Mrd. € Börsenwert. Und genau da hat sich jetzt der aktivistische Investor Elliott eingekauft. Wie groß der Anteil ist und was Elliott konkret fordert, ist noch nicht offiziell bekannt. Aber die Richtung scheint klar: Air Liquide kommt bei der operativen Marge nur auf 20%, Konkurrent Linde liegt bei 30%. Dazu hat Air Liquide in den letzten zehn Jahren deutlich weniger Geld an Aktionäre ausgeschüttet als Linde. Das sind genau die Hebel, an denen ein Aktivist wie Elliott typischerweise ansetzt.
Chart der Woche - Wer erkennt die Firma?
Die Firma und auch die gesamte Branche des Unternehmens haben ein turbulentes Jahr hinter sich. Nach dem starken Absturz bis Mitte des Jahres ist es danach zu einer kräftigen Aufholjagd gekommen. Letzte Woche gab's Zahlen und die haben eine große Angst rund um die Firma widerlegt.
Auflösung unten.
Thema des Tages:
KI frisst Strom und Milliarden
Die Deals im KI-Bereich reißen einfach nicht ab. Auch gestern gab’s dafür wieder zwei Beispiele.
Nr. 1: Fervo Energy & Google
Der Geothermie-Entwickler Fervo Energy (+28%) hat einen Deal mit Google geschlossen. Ab 2028 soll Fervo fast 400 Megawatt Strom für ein geplantes Rechenzentrum in Utah liefern. Google hat sich dazu die Option auf weitere 600 Megawatt bis 2030 gesichert. Damit könnte die Bestellung auf 1 Gigawatt steigen, das entspricht ungefähr einem klassischen Atomreaktor. Geothermie ist attraktiv, weil sie rund um die Uhr Strom liefert. Fervo nutzt dabei Fracking-Methoden aus der Öl- und Gasindustrie, um mehr Energie aus der Erdwärme zu gewinnen.
Nr. 2: Anthropic & Lambda
Anthropic, der Hersteller des Chatbots Claude, hat einen Deal über 35 Mrd. $ für Rechenleistung mit dem Cloud-Anbieter Lambda geschlossen. Das ist nur der jüngste in einer ganzen Reihe von Mega-Deals: Letzte Woche hat Anthropic 45 Mrd. $ für Kapazität bei Nscale zugesagt, dazu kommen Cloud-Deals über 50 Mrd. $ mit Fluidstack und 45 Mrd. $ mit Elon Musks SpaceX.
Spannend ist die Rolle von NVIDIA (-1%) im Hintergrund. Laut Wall Street Journal hält der Chip-Gigant den Mietvertrag für das Rechenzentrum in Texas und unterstützt auch Lambda finanziell. NVIDIA nutzt seine Finanzkraft also gezielt, um mehr Rechenkapazität zu erschließen, was am Ende wieder die Nachfrage nach den eigenen Chips ankurbelt.
Was sonst noch los war:
Novartis (+6%) hat positive Studiendaten für ein neues Medikament gegen Multiple Sklerose gemeldet. Die Tablette hat in zwei Studien die Schübe stärker reduziert als ein Konkurrenzmittel. Laut Analysten könnte das Medikament allein in der MS-Behandlung Spitzenumsätze von 3 Mrd. $ pro Jahr bringen, über alle Anwendungsgebiete hinweg sogar über 10 Mrd. $. Strategisch wichtig für Novartis, weil der Konzern durch auslaufende Patente zuletzt Umsätze verloren hat.
Medtronic (+2%) hat solide Quartalszahlen geliefert und die Jahresprognose angehoben. Das Umsatzwachstum soll jetzt eher bei 8% als bei 7% liegen. Der Umsatz ist um fast 15% gestiegen, größter Treiber war das Herz-Kreislauf-Geschäft. Dazu hat Medtronic zwei Investitionen von zusammen fast 800 Mio. $ angekündigt (in eine Herztechnologie-Firma und ein Hersteller von OP-Robotern).
GoPro (+40%) fusioniert für 285 Mio. $ mit Starman Optical. Die GoPro-Aktionäre bekommen einen Aufschlag von 30% auf den Schlusskurs vom Montag. Für einen ersten Kurssprung hatte aber YouTuber Markiplier gesorgt, der sich am Montag mit 8,5% zum größten Einzelaktionär gemacht hat. Klingt nach Meme-Stock-Fantasie. Denn an der schwierigen Lage ändert das erstmal nichts: Der Umsatz ist im letzten Quartal um 31% eingebrochen und GoPro hat vor großen Zweifeln an der Fortführung des Unternehmens gewarnt.
In der Kurz-Analyse:
Shein zum Schnäppchenpreis?
Shein ist beim IPO in Hongkong direkt mal 10% abgerutscht, hat sich dann aber wieder auf den Ausgabepreis erholt. Die Bewertung: rund 25 Mrd. $. Klingt viel, ist aber ein Absturz. 2022 lag die Bewertung in einer privaten Finanzierungsrunde noch bei fast 100 Mrd. $. Wer damals eingestiegen ist, hat knapp drei Viertel verloren.
Timon hat mit E-Commerce-Expertin Karo Junker de Neui (Kassenzone-Podcast) über das Business gesprochen. Hier einige Auszüge aus dem Gespräch:
Das Modell: Shein bringt permanent neue Styles in kleinen Stückzahlen online, schaut in Echtzeit, was funktioniert und produziert nur die Gewinner nach. Dazu kommt ein wachsender Marktplatz für Drittanbieter. Ergebnis: über 42 Mrd. $ Umsatz, knapp 300 Mio. aktive Kunden.
Warum jetzt Hongkong? Die früheren IPO-Versuche in New York und London sind unter anderem an der fehlenden regulatorischen Freigabe aus China gescheitert. Diesmal hat Peking grünes Licht gegeben. Hongkong passt auch besser zur operativen Realität, denn ein Großteil der Produktion sitzt weiterhin in China.
Das Wachstumsproblem: Der Umsatz wächst nur noch mit 1%, vor ein paar Jahren waren es über 40%. In den USA ist er sogar rückläufig. Ein Hauptgrund: Sheins struktureller Vorteil (günstige Einzelpakete direkt aus China, fast ohne Zölle) wird in den USA und der EU zunehmend korrigiert. Dazu kommt harter Wettbewerb von Temu und TikTok Shop.
Warnsignal Marketing: Die Marketingquote ist auf 16% vom Umsatz gestiegen (vor drei Jahren: 11%). Karo ordnet ein: „16% Marketingquote bei 40% Wachstum kann ich gut erklären, 16% bei 1% Wachstum hingegen nicht."
Trotz der deutlich niedrigeren Bewertung ist Shein nicht richtig billig. Shein wächst kaum noch und das erwartete KGV liegt bei 15, bei der Temu-Mutter PDD Holdings ist es knapp die Hälfte.
Die Auftragsbücher sind so voll wie nie: 100 Mrd. € Auftragsbestand, mehr als fünf Jahre Umsatz. Trotzdem hat Alstom seit Jahresbeginn 30% an der Börse verloren. Das Problem ist nicht die Nachfrage. Es ist die Ausführung.
Warum Züge so schwierig sind: Anders als ein Airbus ist jeder Zug fast ein Sonderbau. Unterschiedliche Bahnsteighöhen, unterschiedliche Spannungen auf den Gleisen. Das zieht Projekte in die Länge. Die neuen Doppelstock-TGVs (Auftrag über fast 3 Mrd. € aus 2018) hätten zu Olympia 2024 fahren sollen, Auslieferung soll erst diesen Monat starten.
Das Kassenproblem: Schlusszahlungen kommen erst nach monatelangen Tests und Abnahme. Bei Verzögerungen verspätet sich also auch das Geld, dazu kommen oft Strafzahlungen. Im April gab's die dritte Gewinnwarnung in fünf Jahren, die Aktie ist an einem Tag um bis zu 30% eingebrochen.
Altlast Bombardier: Alstom hat den kanadischen Rivalen 2021 für 5,5 Mrd. € gekauft. Mit der Firma kamen jede Menge Probleme: Über 1 Mrd. € an Rückstellungen auf alte Bombardier-Verträge sind seitdem angefallen.
Neue Strategie: In Spanien hat Alstom bei einer Ausschreibung über bis zu 40 Schnellzüge gar nicht erst mitgeboten, weil der Zeitplan zu sportlich war. Seit April setzt der neue CEO Martin Sion auf weniger neue Projekte, dafür saubere Ausführung.
Der Börsenwert von 7,5 Mrd. € entspricht dem Zehnfachen vom erwarteten Gewinn. Das ist günstiger als im Schnitt der letzten fünf Jahre. Manche Analysten glauben, dass die teuren Anlaufphasen bis 2027 überstanden sind und dann mehr Geld hängen bleibt. Sicher ist das aber nicht.
Risikohinweis: Die Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und sind zum einen ohne Gewähr und zum anderen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Finanzinstrumente. Es handelt sich hier nicht um Anlageberatung. Ihr entscheidet selber, was ihr macht.
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