Europa kann auch Raketen. SpaceX ist gestern in den NASDAQ 100 aufgestiegen. Gleichzeitig gab's aber auch gute News in Europa: Der Private-Equity-Investor Advent hat sich 7% am italienischen Raketenbauer Avio gekauft. Aktie hat sich zwar kaum bewegt, aber ist ein spannendes Signal, weil PE-Investoren nicht mit 7% Renditeerwartung im Jahr antreten, sondern sich deutlich mehr erhoffen.
Viele Grüße von Noah, Christoph und Timon
Was war los gestern?
(Stand 07.07.2026, 22:00 Uhr)
DAX
25.465
-1.37%
STOXX 50
6.320
-1.22%
S&P 500
7.504
-0.45%
NASDAQ
25.819
-1.16%
Bitcoin
63.763 $
-0.37%
Crinetics Pharma
73 $
+98.05%
Zahl des Tages:400.000.000 €. So viel hat das deutsche Kernfusions-Startup Proxima Fusion gerade von Investoren eingesammelt. Mit dabei: Google. Größter Einzelinvestor mit 100 Mio. € ist aber Alex Gerko. Das ist ein ehemaliger Deutsche-Bank-Trader, der mit seiner algorithmischen Trading-Firma XTX so erfolgreich ist, dass er sich allein letztes Jahr rund 2 Mrd. $ Dividende ausgezahlt hat.
Wer errät den ETF / Index?
Kleiner Hint: Er kommt aus den USA und Kleinvieh macht auch Rendite.
Auflösung unten.
Thema des Tages:
Samsung crasht Chips
In der Nacht auf gestern kamen neue Zahlen von Samsung. Der Umsatz hat sich mehr als verdoppelt, der operative Gewinn hat sich fast verzwanzigfacht auf 58 Mrd. $. In einem einzigen Quartal. Anders gesagt: Samsung verdient in drei Monaten den kompletten Börsenwert von Rheinmetall.
Warum ist die Aktie dann trotzdem über 5% gefallen?
Der Gewinn lag nur rund 6% über den Erwartungen. Klingt erstmal okay, aber bei Aktien, die so krass gelaufen sind, reicht "okay" nicht. Zur Erinnerung: Als Micron Ende Juni berichtet hat, wurden die Erwartungen massiv übertroffen. Genau das braucht es bei solchen Aktien. Dazu war die Prognose für das laufende Quartal nicht ganz so optimistisch, wie einige gehofft hatten.
Investoren sind nervös, wie lang der Engpass bei Speicherchips anhält.
Samsung hat dann den ganzen Sektor mit runtergezogen. Von Intel über AMD bis ASML. Bitter auch für SK Hynix, die gerade in den USA an die Börse wollen.
Laut Goldman Sachs haben Hedge-Fonds übrigens die vierte Woche in Folge Chip-Aktien verkauft. Das Geld ist stattdessen in stabile Namen wie Eli Lilly, Walmart oder Johnson & Johnson gewandert und in Tech-Aktien wie Microsoft, SAP oder Salesforce.
Nicht geholfen hat auch, dass DeepSeek laut Medienberichten an einem eigenen KI-Chip arbeitet.
Was sonst noch los war:
Crinetics Pharmaceuticals (+98%) wird von Vertex Pharmaceuticals für rund 10 Mrd. $ übernommen. Klassischer Biotech-Deal: Crinetics macht aktuell unter 100 Mio. $ Umsatz, hat aber laut Vertex Medikamente mit 5 Mrd. $ Umsatzpotenzial in der Pipeline. Für Vertex ist der Zukauf wichtig, weil 85% ihrer gut 10 Mrd. $ Umsatz von einem einzigen Medikament kommen.
Rivian (-18%) will eigene Aktien für über 1 Mrd. $ verkaufen, um Entwicklung und Produktion zu finanzieren.
Lockheed Martin (±0%) könnte von Trump profitieren. Der hat angedeutet, dass die Türkei eventuell doch wieder F-35-Kampfjets kaufen darf. Passend dazu zahlt Lockheed 5 Mio. $ für ein neues gigantisches Helipad neben dem Weißen Haus. Ob und wie das zusammenhängt, kann man aber nicht sagen.
Saab hat leicht zugelegt, weil die NATO 10 Aufklärungsflugzeuge kaufen will.
In der Kurz-Analyse:
Indien: Krise oder Chance?
Der indische Aktienmarkt hat lange geliefert, jetzt stockt er. Laut dem Chief Economist von Scalable Capital, Christian Röhl, gibt’s dafür vier Gründe:
Zu hohe Bewertungen: Der Index wurde mit dem 25-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, Indientöchter internationaler Konzerne sogar mit dem 50- bis 60-fachen. Das war einfach zu viel.
Interne Probleme: Eine Mehrwertsteuerreform hat mehrere Wirtschaftszweige durchgeschüttelt. Die digitalen Kontrollsysteme dafür haben zeitweise Lieferketten lahmgelegt.
Ölpreis-Abhängigkeit: Indien importiert rund 85% seines Erdöls. Hohe Ölpreise schlagen direkt auf Handelsbilanz, Inflation und Margen durch, besonders im Auto- und Transportsektor. Wenn die Probleme haben, drückt das auch die Banken, den am höchsten gewichteten Sektor im MSCI India.
KI als doppeltes Problem: Indiens IT-Riesen wie Infosys, TCS oder Wipro verdienen ihr Geld mit dem Headcount-Modell (große Entwicklerteams für Routineaufgaben, abgerechnet nach Arbeitsstunden). Wenn agentische KI diese Aufgaben übernimmt, sinken die Erlöse. Alle drei Aktien haben auf Jahressicht 30 bis 40% verloren. Gleichzeitig fehlen Indien börsennotierte Unternehmen im Zentrum der KI-Lieferkette (Halbleiter, Rechenzentren). Kapital ist deshalb nach Südkorea und Taiwan abgeflossen.
Ist das jetzt eine Buy-the-Dip-Chance? Die Bewertung liegt immer noch beim 20-fachen der erwarteten Gewinne. Andere Emerging Markets kommen auf Multiples von 9 bis 13. Klar, Indien wächst laut IWF mit mindestens 6,5% in den nächsten Jahren stärker. Aber ein Katalysator für eine baldige Trendwende fehlt.
Wer trotzdem rein will: Westliche Firmen mit echtem Indien-Exposure gibt's kaum. Siemens macht dort nur 2% vom Umsatz, British American Tobacco kommt über die ITC-Beteiligung auf 7% der Marktkapitalisierung. Die einzige große Aktie mit signifikantem Indien-Anteil ist Suzuki Motors (40% des Umsatzes, ca. 40% Marktanteil über die Tochter Suzuki Maruti). Am Ende führt der Weg für die meisten über einen ETF auf den MSCI India oder FTSE India. Im MSCI All Country World stecken nur 2% Indien, im MSCI Emerging Markets rund 10%. Wer breiter aufstocken will: Der True Emerging Markets ETF von WisdomTree klammert Südkorea, Taiwan und China aus und kommt auf etwa 20% Indien-Anteil.
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Auflösung: Es geht um den Xtrackers Russell 2000 UCITS ETF 1C. Im Russell 2000 sind die kleinsten Unternehmen der US-Börsen enthalten und der Index hatte grad das beste erste Halbjahr seit 1991, doppelt so gut wie der S&P 500. Liegt auch am KI- und Chip-Hype, weil viele kleine Firmen plötzlich relevant werden. Beispiel: MaxLinear, die sich dieses Jahr mehr als verfünffacht hat.
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