Youtube bringt "Creator Premieres" nach Deutschland: Der Pitch um den großen Bildschirm
YouTube Deutschland hat gerade in Berlin erstmals das US-Event-Format "Creator Premieres" veranstaltet, um aufwendige Video-Produktionen direkt an Werbekunden zu vermitteln. Vor rund 70 geladenen Markenentscheidern präsentierten fünf reichweitenstarke deutsche Creator*innen ihre geplanten Großprojekte für die kommenden zwölf Monate.
Warum ist das interessant? Weil Youtube immer stärker den klassischen Fernsehbildschirm erobert, setzen Creator*innen zunehmend auf kostenintensive High-End-Produktionen, die bereits in der Konzeptionsphase über Media Sponsorships oder Channel-Rotationen finanziert werden sollen. Der Treiber hinter dieser Entwicklung ist das veränderte Nutzungsverhalten im Wohnzimmer. Nach Angaben der Plattform schauen in Deutschland mittlerweile über 21 Millionen Menschen Youtube-Inhalte über TV-Geräte.
Was passiert gerade? Große Bildschirme gelten plattformintern als das am schnellsten wachsende Segment. Für Werbetreibende eröffnen sich dadurch neue Werbeumfelder in Zielgruppen, die über den klassischen Medienmix im linearen Fernsehen immer seltener erreicht werden. Die Vermarktung von großen Youtube-Shows wie "7 vs. Wild" läuft dabei über ganz neue Modelle wie exklusive Channel-Takeovers, native Produktintegrationen oder den sogenannten Partnership Boost zur Verlängerung organischer Inhalte als Werbeanzeigen.
Was wurde gezeigt? Das in Berlin präsentierte Line-up zeigt die Bandbreite der neuen Produktionen, die gezielt für den Wohnzimmer-Bildschirm konzipiert sind. Fernsehkoch Steffen Henssler baut sein Social-Media-Kurzformat als "Hensslers schnelle Nummer XXL!" zur ausgewachsenen Prime-Time-Show mit prominenten Gästen aus, während Jasmin Gnu für ihr High-End-Reiseformat "Jasmin mach mal… in KOREA" Challenges in der südkoreanischen K-Pop- und Gaming-Kultur absolviert. Hinzu kommt das ungeskriptete Extrem-Abenteuer von Survival-Creator Otto Bulletproof in Patagonien ("Survival Squad – Patagonien."). "Man kann finde ich schon sagen, dass wir Creator auf YouTube die neuen kulturellen Lagerfeuer-Momente erzeugen, wenn Millionen Menschen gleichzeitig unsere Formate anschauen", sagt Otto Bulletproof.
Darüber hinaus verbindet Food-Creator MAX in seiner neuen Show "Ein letztes Ma(h)l." Kochhandwerk mit prominenten Lebensgeschichten und sieht die Plattform im direkten Konkurrenzkampf mit den traditionellen Medienhäusern: "Youtube hat sich über die Jahre zu einer Plattform entwickelt, die auch Raum für hochwertig produzierte Formate bietet und somit locker mit Streaming-Plattformen oder dem Angebot des linearen Fernsehens mithalten kann." Auto-Experte Hamid Mossadegh wiederum adaptiert mit "HSDS — Hamid sucht das Superauto!" ein klassisches Casting-Konzept für das Luxuswagensegment. Den Vorteil gegenüber traditionellen Sendern sieht er vor allem in der Agilität bei der Umsetzung: "Auf Youtube genießen wir Freiheiten, die es im klassischen Entertainmentsystem nicht gibt. Wir müssen uns an keine verstaubten Produktionsvorgaben halten und die Freigabeprozesse bestimmen wir."
Was lernst du? Für die strategische Mediaplanung bedeutet diese Professionalisierung ein Umdenken weg von der reinen Spot-Buchung hin zu frühzeitigen Co-Investitionen. Da sich die vorgestellten Großprojekte aktuell noch im Planungsstadium befinden, bietet das Format Marken die Möglichkeit, sich bereits im Vorfeld an der Entwicklung zu beteiligen und sich die begehrten Umfelder zu sichern. Wer die werberelevante CTV-Zielgruppe auf dem großen Bildschirm effizient und verlässlich erreichen will, muss also künftig vielleicht eher als strategischer Partner auf Creator*innen-Ebene agieren, statt lediglich fertige Sendeplätze zu belegen.