Der DAX hatte letzte Woche die stärkste Performance seit 16 Monaten (+4,5%) und ist auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Grund: Hoffnung auf Reformen und nachlassende Zinssorgen.
US-Börsen waren am Freitag wegen Unabhängigkeitstag zu, aber spannend zum Halbjahr: Der Russell 2000 (kleine US-Firmen) ist knapp 22% im Plus. Das ist das beste erste Halbjahr seit 1991, doppelt so gut wie der S&P 500. Liegt auch am KI- und Chip-Hype, weil viele kleine Firmen plötzlich relevant werden. Beispiel: MaxLinear, die sich dieses Jahr mehr als verfünffacht hat.
Guten Start in die Woche von Timon, Christoph & Noah
Was war los gestern?
(Stand 05.07.2026, 22:00 Uhr)
DAX
25.779
+0.78%
STOXX 50
6.413
+0.82%
S&P 500
7.483
+0.00%
NASDAQ
25.833
-0.80%
Bitcoin
62.626 $
-0.73%
SK hynix
1.410 $
+14.17%
Zahl des Tages:130.000.000 $. So viel könnten Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs und JPMorgan am Zweitlisting von SK Hynix in den USA verdienen. Die südkoreanische Chipfirma ist aktuell rund 1.100 Mrd. $ wert und will bis zu 2,5% ihrer Aktien ausgeben. Die Gebühr von 0,5% klingt erstmal niedrig (selbst SpaceX hat 0,67% gezahlt, bei normalen IPOs ist über 1% üblich), aber bei der Größe des Deals reicht das locker für einen dreistelligen Millionenbetrag. Das Listing am Freitag wäre eins der größten aller Zeiten.
Thema des Tages:
ByeBuy ContiTech
Continental hat zugestimmt, seine Tochter ContiTech an den Private-Equity-Investor Lone Star Funds zu verkaufen. Preis: 4 Mrd. € inklusive Schulden. ContiTech stellt unter anderem Fließbänder und Luftfedern für die Industrie her. Continental will sich durch den Deal stärker auf sein Reifen-Business konzentrieren.
Die Aktie war nach den News nur leicht im Plus, weil sich der Deal schon länger angedeutet hat. Er soll bis Ende des Jahres durch sein und der Großteil vom Cash geht dann an die Aktionäre (Aktienrückkäufe + Sonderdividende), der Rest in den Schuldenabbau.
Was auffällt: Private Equity kauft sich gerade reihenweise bei Industriefirmen ein. Bain Capital hat sich letzten Monat eine Mehrheit an VWs Diesel-Motoren-Sparte gesichert. Blackstone hat mit anderen Investoren im April den britischen Flugzeugzulieferer Senior Plc übernommen. Die sehen klassische Industrieunternehmen nämlich eher als KI-Gewinner als Verlierer.
Was sonst noch los war:
Micron hat mit dem Ausbau seiner Chip-Fabrik in Japan angefangen. Kosten: fast 10 Mrd. $, wobei der japanische Staat 3 Mrd. $ übernimmt (und vorher insgesamt fast 5 Mrd. $ investiert hat). Daneben baut Micron auch zwei Werke in Idaho und eine 100 Mrd. $ Anlage in New York.
SK Hynix (+14%) und Samsung (+10%) haben sich in Südkorea nach dem Rücksetzer am Donnerstag kräftig erholt. Auch in Europa waren Aixtron, Siltronic und Süss Microtec zwischen 5 und 10% im Plus.
Pirelli (+2%) könnte bald weniger chinesisch werden. Der tschechische Milliardär Michal Strnad verhandelt mit dem chinesischen Staatskonzern Sinochem über den Kauf von 14% an Pirelli für 1 Mrd. €. Sinochem hält aktuell 34%. Gerade im US-Markt gab's Kritik an der China-Nähe, besonders wegen Pirellis sensorbestückten Cyber-Reifen und möglicher Datenweitergabe. Größte Hürde: die Genehmigung durch Chinas Aufsichtsbehörde SASAC.
In der Kurz-Analyse:
Dänemarks Giga-Arbeitgeber
ISS ist einer der größten Gebäudedienstleister der Welt und mit über 325.000 Mitarbeitern einer der größten privaten Arbeitgeber überhaupt. Das Geschäftsmodell: Großkonzerne lagern alles rund ums Gebäude an ISS aus: Also Reinigung, Kantine, Empfang, Sicherheitsdienst und technische Wartung. Insgesamt macht die Firma rund 11 Mrd. € Umsatz, bei einer operativen Marge von nur 5%.
Das Spannende: 94% der Kunden verlängern ihre Verträge. Grade bei Pharma-Kunden zum Beispiel muss es in den Produktionsräumen klinisch rein sein, da wechselt man den Dienstleister nicht einfach mal aus. Das Geschäft ist quasi ein Abo.
Das Telekom-Problem: 2019 hat ISS das komplette Gebäudemanagement der Deutschen Telekom übernommen (9.000 Standorte, fast 5% vom Konzernumsatz). ISS hat sich verkalkuliert, der Auftrag wurde zum Verlustbringer. Es folgte ein jahrelanger Streit um rund 80 Mio. €, die Telekom hielt Zahlungen zurück. Im Mai haben beide Seiten den Streit beigelegt und den Vertrag gleich bis 2035 verlängert. ISS hat danach sogar die Umsatzprognose angehoben.
Neuer Wachstumstreiber Defense: Kasernen und Stützpunkte müssen gereinigt, bekocht und bewacht werden. Das australische Verteidigungsministerium ist schon Kunde.
Bewertung: Auf Sicht von einem Jahr hat die Aktie 60% gewonnen. ISS ist rund 6 Mrd. € wert, das ist ein KGV von 14 plus 1% Dividendenrendite. Nach dem gelösten Telekom-Streit und mit Defense als potenziellem Treiber klingt das nicht absurd teuer. Aber große Wachstumssprünge sollte man bei so einem Business auch nicht erwarten.
Durch den Silberpreisanstieg hat die Aktie von Pandora letztes Jahr über 60% verloren. Mittlerweile hat sich die Aktie etwas erholt (Börsenwert: 8 Mrd. $), aber das Silber-Problem ist nicht gelöst, es wird nur verschoben.
Pandora ist nach Stückzahl der größte Schmuckhersteller der Welt, vor allem bekannt für Charm-Armbänder (Armbänder mit Anhängern zum Dazukaufen). Über 100 Mio. Stück pro Jahr, verkauft in über 100 Ländern durch über 2.700 eigene und Franchise-Läden. Rund 70% vom 5 Mrd. $ Umsatz sind Geschenke, und wer ein Geschenk kauft, schaut weniger auf den Preis. Die Bruttomarge liegt bei 80%, vergleichbar mit Softwarefirmen.
ABER: Rund ein Drittel der Materialkosten steckt in Silber. Pandora sichert sich zwar für ein paar Jahre gegen den Silberpreis ab, aber ab 2027 gibts diese Verträge nicht mehr. Das Management rechnet damit, dass sich die operative Marge 2027 auf 12% halbieren wird.
Der Plan: Bis 2028 sollen 80% vom Silberschmuck-Umsatz durch platinbeschichteten Schmuck ersetzt werden. Der sieht ähnlich aus, fühlt sich ähnlich an. Bei Pandoras "Affordable Luxury"-Preispunkt ist Kunden das tatsächliche Material weniger wichtig. Unter der Platin-Beschichtung steckt Pandoras eigene Legierung namens Evershine.
Neues Management: Seit Januar ist die ehemalige Marketingchefin Berta de Pablos-Barbier CEO (vorher bei LVMH und Kering). Sie hat den Platin-Pivot gestartet. Mehr Veränderung bedeutet aber auch mehr Unsicherheit.
Die Marke ist stark: 40% der Website-Besucher suchen direkt nach Pandora, unbezahlte Werbung treibt das Wachstum in Märkten wie Spanien.
Damit der Case aufgeht, muss man dem Management glauben, dass der Platin-Shift in 2 Jahren klappt und die Kunden mitspielen.
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