Die Vereinigten Arabischen Emirate verlassen zum 1. Mai die OPEC und damit auch OPEC+, und zwar nach 60 Jahren Mitgliedschaft. Der Hintergrund: Seit Jahren gibt's Spannungen zwischen den VAE und Saudi-Arabien. Die Emirate wollten mehr produzieren, die Saudis haben lieber das Angebot gedrosselt. Könnte langfristig den Ölpreis drücken, falls die VAE dann wirklich mehr fördern.
Guten Start in den Tag von Timon, Christoph und Noah.
Endlich wieder Live-Podcast
Am Vorabend des OMR Festivals machen wir endlich wieder einen Live-Podcast. Am 04. Mai im Schmidtchen-Theater in Hamburg ab 17:30 Uhr. Wir bringen unseren Blick auf die aktuelle Börsenlage mit und passend zur WM dieses Jahr sprechen wir danach übers Sport-Business und Sport-Aktien. Und zwar unter anderem mit Christian Röhl von Scalable Capital und mit dem Olympiasieger und Hyrox-Gründer Moritz Fürste. Die sind zwar noch nicht an der Börse, aber ja grade eine der großen Zukunftswetten von Puma und eins der spannendsten jungen Sport-Businesses der Welt. Das Ganze ist kostenlos, aber funktioniert nach dem First-Come-First-Serve-Prinzip.
Wir sind so gut wie voll, also hier noch anmelden, wer Lust hat:
Zahl des Tages:400.000.000 $. So viel hat Rivian-CEO Robert Scaringe 2025 verdient. Das ist das 27-Fache seines Vorjahresgehalts von 15 Mio. $. Das Grundgehalt liegt bei nur 1 Mio. $, dazu kommt 1 Mio. $ Bonus. Der Rest sind Aktienoptionen und Aktienprämien. Im allerbesten Fall könnte sein Gehalt in zehn Jahren auf 4,5 Mrd. $ steigen, dafür müsste Rivian aber 175 Mrd. $ Börsenwert erreichen (aktuell: knapp 20 Mrd. $). Zum Vergleich: Die CEOs von GM und Ford haben um die 25 Mio. $ bekommen, VW-Chef Blume 8,5 Mio. $. VW hat letztes Jahr 9 Mio. Autos verkauft. Rivian 42.000.
Cashflow-Statement der Woche
Wer errät die Aktie? Diese Firma pumpt dreimal mehr Geld in neue Investitionen, als sie überhaupt an Cashflow verdient. Und die Börse findet's super. Auflösung ist unten.
Thema des Tages:
Coca-Cola top, UPS flop
Überraschend starke Zahlen gab's gestern von Coca-Cola (+4%). Der Umsatz ist um 12% gestiegen und war damit über den Erwartungen. Für das Gesamtjahr erwartet die Firma jetzt etwas mehr Gewinn als bisher.
Ein Treiber, der auf den ersten Blick unspektakulär klingt: Coca-Cola verkauft in den USA vermehrt kleinere Flaschen und Dosen. Das ist eine smarte Preisstrategie, weil die Firma so pro Liter mehr verlangen kann, ohne den Listenpreis anzuheben.
Außerdem interessant: Coca-Cola sieht gerade in Echtzeit, was die K-förmige Wirtschaft bedeutet. Premium-Marken wie Fairlife laufen stark, weil höhere Einkommen weniger Druck spüren. Gleichzeitig kämpfen die günstigeren Segmente, weil die Leute da mehr aufs Geld schauen.
Ganz anders die Stimmung bei UPS (-4%), obwohl die Zahlen eigentlich solide waren. UPS steckt mitten in einem großen Umbau und hat sein Netzwerk stark automatisiert. Allein dieses Quartal hat UPS 600 Mio. $ an Kosten gespart, im Gesamtjahr sollen es 3 Mrd. $ werden. Ab dem 2. Quartal soll außerdem das Wachstum zurückkehren.
Warum war der Markt trotzdem enttäuscht? UPS hat die Jahresziele nur bestätigt und nicht angehoben. Das wird als Unsicherheit für den weiteren Jahresverlauf interpretiert.
Was sonst noch los war:
Atlas Copco (-5%) hat mit den Quartalszahlen enttäuscht. Die drittwertvollste Firma Schwedens (80 Mrd. $ Börsenwert) ist eigentlich bekannt für stabile Langfrist-Renditen. Spannend: Der Vakuum-Bereich, der Chipfabriken beliefert, hat den Auftragseingang um über 30% gesteigert. Auf der anderen Seite haben Kompressoren und Industrietechnik geschwächelt.
Novartis (±0%) ist beim Umsatz 5% geschrumpft, der Gewinn ist noch deutlicher gefallen. Das Problem: Abgelaufene Patente in den USA. Beim Herzmittel Entresto (mehrere Mrd. $ Umsatz) ist der Umsatz um 40% eingebrochen, bei anderen betroffenen Mitteln sogar um 60-65%. In Europa kommen in den nächsten Monaten auch Nachahmerprodukte auf den Markt.
Bayer (-5%) hat's nach einer Anhörung vor dem Obersten Gerichtshof der USA im Glyphosat-Streit erwischt. Die Anhörung ist wohl nicht so gut gelaufen wie erhofft.
Qiagen (-10%) ist nach schwachen Quartalszahlen deutlich gefallen.
Init (+12%, Hier mehr) hat einen großen Auftrag zur Erneuerung eines Fahrkartensystems im australischen Nahverkehr an Land gezogen.
In der Kurz-Analyse:
Tech unter Druck
Gleich mehrere News aus der Tech-Branche waren gestern alles andere als positiv. Von Chipsüber Streaming hin zuGlas:
OpenAI hat laut Wall Street Journal die eigenen Nutzer- und Umsatzziele verfehlt. Die Finanzchefin ist offenbar besorgt, dass das aktuelle Wachstum nicht reicht, um die Verpflichtungen rund um die ganzen Rechenzentren zu decken. Der Grund: Gemini und Claude gewinnen Marktanteile. An der Börse hat das vor allem OpenAI-nahe Firmen getroffen. Softbank (-10%) als großer Investor und Oracle (-4%), die 300 Mrd. $ an Rechenleistung für OpenAI liefern sollen.
Spotify (-15%) hat ebenfalls enttäuscht. Nur 6 Mio. neue Premium-Abos sollen in diesem Quartal dazukommen, damit würde man bei 299 Mio. landen und die symbolische 300er-Marke knapp verfehlen. Dazu war der Werbeumsatz schwächer als gedacht und die Marge etwas unter den Erwartungen. Spannend ist der Grund für die gestiegenen Kosten: Spotify gibt Geld für KI in der Produktentwicklung aus, entwickelt damit schneller neue Features, muss die dann aber auch bewerben. Das drückt kurzfristig die Margen. Ob es langfristig das Wachstum antreibt, muss sich erst zeigen. Mit einem KGV von 30 ist wenig Platz für Enttäuschungen.
Auch Corning (-7%) hat nicht überzeugt. Die Aktie hat in den letzten zwölf Monaten 250% gemacht, vor allem weil der Glashersteller vom KI-Boom profitiert (unter anderem ein 6 Mrd. $ Glasfaser-Deal mit Meta). Das KI-Segment ist zwar fast 40% gewachsen, aber das war ungefähr so viel wie erwartet. Und das restliche Business? Wächst so gut wie gar nicht.
Das Wachstum bei Airbnb ist von 40% (2022) auf nur noch 10% geschrumpft. CEO Brian Chesky hat selbst gesagt, dass er damit nicht glücklich ist. Die Antwort: Airbnb will jetzt Hotels.
Der Testlauf: Seit Oktober holt Airbnb in New York, LA, Paris und Madrid aktiv kleine Hotels auf die Plattform. Neu ist, dass die Firma die Hotels selbst anspricht, niedrigere Gebühren als Booking.com und Expedia verspricht und zum ersten Mal einen eigenen Hotel-Chef hat.
Problem 1 gelöst: In Städten wie New York, wo 2023 strenge Regeln gegen Kurzzeitvermietungen eingeführt worden sind, kann Airbnb über Hotels trotzdem Geld verdienen. Die Firma hat selbst zugegeben, dass durch die Regulierung Millionen Buchungen verloren gegangen sind.
Problem 2 gelöst: Hotels öffnen den 1.600 Mrd. $ großen Markt für Geschäftsreisende. Die wollen meistens kein Apartment, sondern ein Hotel.
Die Preiswaffe: Booking.com und Expedia verlangen von kleinen Hotels 15 bis 30% Provision. Airbnb will laut Hotel-Chef Jesse Stein deutlich darunter liegen.
Aber: Der Weg ist lang. Hotels machen aktuell nur einen einstelligen Prozentanteil der Buchungen aus (dafür wächst der Bereich doppelt so schnell wie das Kerngeschäft). Dazu muss Airbnb das riesige Hotel-Netz von Booking erst einholen, während Ketten wie Marriott und Hilton von der anderen Seite Druck machen.
Spannend ist die Börsenperspektive: Airbnb setzt damit stärker auf einen Markt, den die Börse wegen KI-Sorgen schon abgestraft hat. Die Angst ist, dass Hotelbuchungen künftig von KI-Agenten übernommen werden. Dagegen ist Airbnb besser geschützt, weil viele Ferienwohnungen exklusiv dort gelistet sind. Booking kommt trotz stärkerem Wachstum in den letzten drei Jahren auf ein KGV von nur 17, Airbnb auf fast 30. Wer nicht an die große KI-Disruption im Reisemarkt glaubt, für den wirkt Booking aktuell wie die fairere Wette.
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Auflösung: Es geht um CoreWeave. Mehr zu den Chancen & Risiken der Firma haben wir ausführlich am Samstag diskutiert.Hier geht's zur Folge.
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