Beim Fußball hat's gestern/heute nicht gereicht. Zumindest hatten wir an der Börse eine der besten Aktien gestern... mehr dazu unten.
Was war los gestern?
(Stand 29.06.2026, 22:00 Uhr)
DAX
24.627
-0.18%
STOXX 50
6.232
+0.16%
S&P 500
7.440
+1.18%
NASDAQ
25.820
+2.07%
Bitcoin
60.333 $
+1.41%
Nagarro
76 $
+87.69%
Zahl des Tages:1.000.000 - 5.000.000 $. So viel hat Donald Trump im Februar in Aktien des Taser-Herstellers Axon investiert. Kurz danach hat die US-Einwanderungsbehörde 17.800 neue Taser bestellt. Laut Trump hat er mit dem Investment nicht direkt was zu tun und wusste auch nichts von der Bestellung.
Thema des Tages:
Deals are calling
Gestern war einer dieser Montage, an denen gefühlt jede zweite Meldung ein Deal war. Besonders viel los war im Telko-Bereich.
Nr. 1: Deutsche Telekom & T-Mobile
Telekom-CEO Tim Höttges treibt laut Handelsblatt eine Fusion von Deutscher Telekom und T-Mobile US in eine gemeinsame Firma voran. Ein Grund: die wachsende Konkurrenz durch SpaceX, mit der man als ein großer Player besser umgehen kann. SpaceX will nämlich noch direkter in den US-Mobilfunkmarkt einsteigen, statt wie bisher auf Partnerschaften (z.B. mit T-Mobile) zu setzen. Die Telekom-Aktie hat gestern rund 5% verloren, genauso wie Verizon und AT&T. Das lag also weniger an den Fusionsplänen und eher an der SpaceX-Angst.
Nr. 2: Comcast spaltet sich auf (+5%)
Comcast will sich in zwei Firmen aufteilen: Die Medienmarken NBCUniversal und Sky werden eigenständig, übrig bleibt das Telko-Geschäft. Früher hat die Kombo Sinn gemacht, weil man stabile Telko-Einnahmen nutzen konnte, um im Medien-Business zu investieren. Mittlerweile brauchen aber beide Seiten massiv Kapital und Streaming verändert das Mediengeschäft so stark, dass es als getrennte Firmen einfacher ist. Dazu kommt: Investoren mögen solche Konglomerate nicht, weil man als Sky- oder NBC-Investor nicht automatisch eine Telko-Aktie im Depot haben will.
Nr. 3: Rocket Lab (+16%) kauft Iridium (+25%)
SpaceX-Konkurrent Rocket Lab will für 8 Mrd. $ die Satellitenfirma Iridium übernehmen, die eine Konstellation für Satellitentelefone betreibt. Damit will Rocket Lab perspektivisch direkter mit SpaceX und Starlink konkurrieren. Den großen Vorteil, Satelliten selbst ins All schießen zu können, hat Rocket Lab mit seinen eigenen Raketen ja auch. Günstig ist der Deal allerdings nicht: Iridium hat letztes Jahr nur rund 100 Mio. $ Gewinn gemacht. Der Kaufpreis ist also das 80-Fache.
Nr. 4: Charter Communications (+9%)
Charter hat zugelegt, weil die Firma wohl mit SpaceX über eine Partnerschaft im Mobilfunkbereich spricht.
Was sonst noch los war:
Nagarro (+88%) hat ein Übernahmeangebot vom indischen Konkurrenten Persistent Systems für circa 1 Mrd. € bekommen. Pikant: Schon am Freitag, also vor der Ankündigung, ist die Aktie rund 20% gestiegen. Der Nagarro-CEO hofft, dass die BaFin untersucht, was da passiert ist. Sieht auf den ersten Blick natürlich nach Insiderhandel aus.
SK Hynix und Samsung wollen gemeinsam über 500 Mrd. $ in neue Speicherchipfabriken investieren. Die Aktien von Micron, Samsung und SK Hynix haben danach alle verloren, weil mehr Kapazität langfristig die aktuell wahnsinnig hohen Chippreise drücken würde. KLA, LAM Research und Applied Materials (alle ca. +10%) haben dagegen profitiert, weil sie die Maschinen für genau diese Fabriken liefern.
Alphabet (+5%) ist in den Dow Jones Index aufgestiegen.
Baidu (+8%) will seine eigene Chip-Sparte für rund 50 Mrd. $ an die Börse bringen. Das ist mehr als die 40 Mrd. $, die Baidu insgesamt gerade wert ist. Allerdings gehört ihnen auch nur knapp die Hälfte der Sparte.
Amazon muss seit diesem Jahr laut The Information mehr Geld zahlen, wenn es die KI-Modelle von Anthropic in seinen Produkten nutzt. Anthropic hat nachverhandelt, was mal wieder zeigt, wie viel Marktmacht die grade haben.
In der Kurz-Analyse:
Netflix Comeback?
Netflix hat sich in den letzten Jahren durch Preiserhöhungen, das Vorgehen gegen geteilte Accounts und das günstigere Werbe-Abo stark entwickelt. Der operative Gewinn ist in den letzten 10 Jahren im Schnitt 50% pro Jahr gewachsen. Zuletzt hat sich das Wachstum aber auf 25% verlangsamt, und Investoren fragen sich, woher der nächste Schub kommt.
Die Aktie hat seit dem Hoch vor einem Jahr fast die Hälfte verloren. Bei 300 Mrd. $ Börsenwert liegt das KGV nur noch bei 21 (vs. 50 vor einem Jahr). Das ist der zweitgrößte Kursrückgang der letzten zehn Jahre.
Ist das übertrieben? Hier paar Argumente:
Operativer Hebel: Die Inhalte kosten Netflix im Schnitt nur 5 $ pro Abonnent und Monat. Mit 325 Mio. Abonnenten kann Netflix die Kosten auf eine extrem breite Basis verteilen. Und anders als bei YouTube gehören Netflix die Inhalte selbst, jede zusätzliche Wiedergabe kostet also nichts extra.
Werbe-Abo als Wachstumstreiber: Laut Analysefirma EDO könnte ein Werbe-Abonnent mit ca. 40 Stunden Nutzung pro Monat 25% mehr Umsatz bringen als ein Nutzer auf dem teureren werbefreien Plan (20 $). Im ersten Halbjahr 2025 lagen die Nutzer im Schnitt bei knapp 50 Stunden. Allerdings: Netflix schafft es aktuell noch nicht, alle Werbeplätze voll zu verkaufen.
Gaming & Engagement: Fifa ist zurück, zwar nur als WM-Variante vom kleinen Studio Delphi Interactive, aber exklusiv auf Netflix. Dazu kommt ein Video-Feed im TikTok-Style. Alles zielt darauf ab, die Verweildauer zu erhöhen und so das Werbegeschäft profitabler zu machen.
Die Sorge: In der zweiten Jahreshälfte 2025 sind die gestreamten Stunden nur 2% gestiegen. Gerade bei der jungen Generation geht Aufmerksamkeit zunehmend an TikTok und YouTube.
Ein KGV von 21 ist bei rund 10% Umsatzwachstum nicht teuer, aber auch kein absurd günstiger Einstieg. Streaming ist ein starkes Business, aber kein einfaches. Man braucht immer wieder inhaltliche Hits, muss fürs Werbegeschäft genug Partner ranholen und sich gegen immer stärkere Konkurrenz um Aufmerksamkeit behaupten.
Es gibt große Investoren, die aktuell in Anti-KI-Wetten investieren. Die Idee: Assets, die auch in Zeiten von KI ihren Wert behalten, zum Beispiel Großveranstaltungen oder Sport-Teams. British American Tobacco passt da überraschend gut rein.
KI-unabhängig: BAT schätzt den globalen Volumenrückgang beim Zigarettenkonsum auf 2% dieses Jahr. Der Rückgang ist zwar real, aber er wird durch KI zumindest nicht schlimmer.
Event-Fantasie: Gerade bei Konzerten und beim Feiern wird weiterhin viel geraucht. Tabak-Firmen sind im Marketing stark eingeschränkt, physische Events sind oft einer der wenigen erlaubten Kanäle. Wenn solche Events tendenziell wichtiger werden, kann das zu mehr Konsum und mehr Werbefläche führen.
Wenig Konkurrenz: Anders als im Snack- oder Getränkemarkt sieht man bei Tabak kaum Druck durch Eigenmarken oder junge Konkurrenten. Unilever und Nestlé galten lange als genauso stabil, kämpfen aber inzwischen massiv mit diesem Problem.
Pouches & Vapes als Ausgleich: Der sinkende Zigarettenkonsum wird durch starkes Wachstum bei Nikotin-Pouches und Vapes kompensiert. Die Aktien von BAT und Philip Morris haben sich beide in den letzten 3 Jahren mehr als verdoppelt.
BAT kommt aktuell auf rund 135 Mrd. $ Börsenwert bei ca. 10 Mrd. $ freiem Cashflow (Kurs-Cashflow-Verhältnis von 13). Für ein deutlich höheres Multiple reicht das Wachstum noch nicht. Aber bei 5-10% Gewinnwachstum pro Jahr und rund 5% Dividendenrendite gibt's solides Upside, auch ohne KI-Fantasie.
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