Okta, CrowdStrike und Zscaler haben am Freitag zwischen 5% und 10% verloren. Nicht wegen Quartalszahlen, sondern wegen eines neuen Produkts. Anthropic hat mit Claude Code Security ein KI-Tool vorgestellt, das Schwachstellen in Programmen findet und selbst fixen kann. Ein direkter Angriff auf Cybersecurity-Aktien.
Die Sorge vor KI-Konkurrenz bei Softwarefirmen ist in den letzten Wochen massiv gestiegen. Der iShares Expanded Tech-Software Sector ETF ist dieses Jahr über 20% im Minus. Der schlechteste Jahresstart seit der Finanzkrise.
Aber wie groß ist das Risiko? Und gibt’s hier Chancen?
Wichtig erstmal: So gut wie niemand glaubt, dass SAP oder Salesforce in zwei bis drei Jahren ersetzt werden. Sogar Anthropic nutzt Workday. Und OpenAI nutzt Slack, obwohl KI locker ein Chat-Programm bauen könnte.
Die eigentliche Frage ist eine andere: Werden die Geschäftsmodelle von Software-Firmen durch KI unattraktiver - mehr Konkurrenz, weniger Burggraben? Wenn ja, ist eine Softwarefirma nicht sofort tot.
Aber dann ist sie vielleicht nicht mehr das 30-fache vom Gewinn wert, sondern nur noch das 15-fache. Allein durch ein niedrigeres KGV kann eine Aktie 50% einbrechen, ohne dass sich an Umsatz oder Gewinn was geändert hat.
Welche Burggräben haben Softwarefirmen überhaupt?
- Nutzer-Know-how: Designer haben jahrelang gelernt, mit Adobe umzugehen. Ein Wechsel heißt: komplettes Personal umschulen. Wenn aber Menschen nur noch die Ideen haben und KI sie umsetzt, wird dieser Burggraben viel schwächer.
- Hohe Wechselkosten: ERP-Einführungen dauern oft länger als gedacht und kosten mehr, deshalb wechseln Firmen nur sehr ungern. Wenn KI-Agenten Migration übernehmen, könnte das ein kleineres Thema werden. Wird aber ein größeres Thema bleiben als das Nutzer-Know-How.
- Software-Komplexität: Firmen wie SAP, Dassault Systèmes oder Cadence haben ihre Produkte über Jahrzehnte mit Kunden gebaut. Die decken so viele Edge-Cases und Branchenwissen ab, dass KI sie schwerer nachbauen kann.
- Regulatorik: Wer wie Fiserv Bankensoftware verkauft, über die jeden Tag hunderte Milliarden fließen, kann KI gegenüber entspannter sein als jemand, der Software an Schulen verkauft.
- Daten & Netzwerkeffekte: Am verwundbarsten sind Firmen, die einfach Daten zusammenfassen. FactSet hat in den letzten zwölf Monaten über 50% an Börsenwert verloren. Spannender bei SAP und Salesforce: Als Marktführer haben sie mehr Daten als die Konkurrenz. Benchmarks wie „Wie effizient ist meine Lieferkette im Branchenvergleich?" kann KI nicht wegnehmen. Manche Firmen wie Bloomberg haben dazu noch Netzwerkeffekte, die KI schwer wegnehmen kann.
Wo fließt das Geld am Ende hin?
KI-basierte Software kostet bei jedem Arbeitsschritt Geld. Das ist von den Kosten her unattraktiver als “klassische” Software.
Aber Software wird heute von Menschen genutzt, die auch bei jedem Arbeitsschritt Geld kosten. Es wird also Effizienz geschaffen. Die kann zu drei Parteien gehen: Kunden, Softwarefirmen oder Anthropic und OpenAI.
Wie schnell die KI-Führerschaft zwischen den großen Anbietern (OpenAI, Anthropic, Gemini) hin und her wechselt, deutet darauf hin, dass ihre Produkte halbwegs austauschbar sein werden.
Also hängt's am Ende davon ab, wie viel Burggraben die Softwarefirmen selbst haben. Sonst frisst der Wettbewerb die Margen auf und sie schenken den Effizienzgewinn den Kunden.
Neben dem Verständnis des Burggrabens, werden drei Dinge für Investoren jetzt wichtiger als früher:
- Erstens die Produkte tiefer anschauen, nicht nur die Zahlen. Die KI-Bedrohung wird nur schleichend sichtbar.
- Zweitens Management und Kultur. Wer nicht extrem schnell ist, hat ein Problem.
- Drittens die Bewertung: Nur weil Softwareaktien günstiger als im Schnitt der letzten Jahre sind, sind sie nicht günstig. Man sollte sich eher an Cashflows oder Bewertungsregeln von “traditionellen” Branchen orientieren.