Die USA haben am Sonntag zum ersten Mal seit Juli wieder Ziele im Iran angegriffen, konkret zwei Raketenabschussrampen in der Nähe der Straße von Hormus. Der Iran hat umgehend mit Vergeltungsangriffen auf US-Stützpunkte im Nahen Osten reagiert. Der Ölpreis ist gestern 3% nach oben und Öl- und Gasaktien wie Halliburton, Exxon Mobil und Chevron waren leicht im Plus.
Außerdem haben sich gestern die Finanzminister der G20 getroffen. Die USA sind Gastgeber und wollen die anderen Staaten dazu bringen, die Wirtschaftsbeziehungen zum Iran einzustellen.
Viele Grüße von Timon, Christoph & Noah
Hier noch die Earnings der Woche:
Was war los gestern?
(Stand 31.08.2026, 22:00 Uhr)
DAX
26.258
-1.17%
STOXX 50
6.420
-1.01%
S&P 500
7.686
-0.33%
NASDAQ
26.371
-0.12%
Bitcoin
78.902 $
+1.55%
Aon plc
322 $
-9.53%
Zahl des Tages:18 Satellitenplattformen soll OHB für Satellitenbetreiber SES bauen. Der Großauftrag ist rund 1 Mrd. € wert. Gebaut werden die Plattformen für das europäische System IRIS². Das ist quasi Europas Antwort auf Starlink von SpaceX: knapp 350 Satelliten in niedrigen und mittleren Umlaufbahnen, die der EU eine eigene, abhörsichere Satellitenkommunikation geben sollen. OHB kümmert sich um die mittlere Umlaufbahn. Der Börsenwert ist um die 6% auf über 4 Mrd. € gestiegen.
Thema des Tages:
Waldbrand-Risiko
In Kalifornien gibt es ein neues Waldbrandgesetz. Und das hat am Montag für heftige Kurseinbrüche bei Stromversorgern gesorgt.
Das Problem: Wenn ein Waldbrand ein Haus zerstört, zahlt erstmal die Gebäudeversicherung. Die holt sich das Geld dann beim Stromversorger zurück, falls dessen Leitungen das Feuer ausgelöst haben. Gouverneur Gavin Newsom wollte genau diese Regel abschaffen.
Warum ist das nicht passiert? Die Versicherer haben gewarnt, dass ohne diese Regel die Prämien für Hausbesitzer massiv steigen müssten. Also hat man Newsoms Änderungen nicht in den Gesetzesvorschlag aufgenommen.
Für die Stromversorger ist das ein echtes Risiko. PG&E ist 2019 genau wegen solcher Brandschäden in die Insolvenz gerutscht und kam erst Mitte 2020 wieder raus. Am Montag hat die Aktie fast 20% verloren, der Börsenwert ist auf 30 Mrd. $ gefallen. Edison International war ähnlich krass im Minus und Sempra hat 3% verloren.
Was sonst noch los war:
Deutsche Inflation aktuell bei 2,9%. Die Rate ist weiter gestiegen und hat die Rendite der Zehnjahres-Bundesanleihe auf 3,3% getrieben. Das ist der höchste Stand seit 15 Jahren.
Aon (-10%) kauft den zehntgrößten US-Versicherungsmakler USI für 17 Mrd. $ vom Private-Equity-Investor KKR. Einer der größten Deals in der Branche ever. KKR hatte USI 2017 zusammen mit einem kanadischen Pensionsfonds für 4 Mrd. $ übernommen, nochmal über 1 Mrd. $ nachgeschossen und jetzt für 17 Mrd. $ verkauft. Hat sich gelohnt.
Eli Lilly (-2%) übernimmt die kleine Biotechfirma Merida Biosciences für bis zu knapp 3 Mrd. $ in bar. Merida arbeitet an Mitteln gegen Autoimmunkrankheiten und Allergien, das am weitesten entwickelte Mittel steckt in Phase 1. Lilly hat dieses Jahr schon über 20 Mrd. $ für Zukäufe angekündigt, finanziert durch die Abnehmspritzen.
Allianz denkt laut Sky News darüber nach, den britischen Pannendienst AA für fast 6 Mrd. € zu übernehmen. AA ist in Großbritannien ungefähr das, was hier der ADAC ist (über 16 Mio. Kunden). Auch der schwedische Finanzinvestor EQT soll mitbieten. Die Besitzer von AA fahren eine Dual-Track-Strategie: Verkauf oder Börsengang, je nachdem, wo mehr Geld rausspringt. Aktie hat sich kaum bewegt.
GameStop (+3%) hat vorläufige Quartalszahlen gemeldet. Der Umsatz ist 20% auf unter 800 Mio. $ gefallen (Filialschließungen, Verkauf des Frankreich-Geschäfts). Trotzdem hat sich der Nettogewinn fast verdoppelt, weil GameStop knapp 10% an eBay hält und die Aktie seit Jahresanfang ca. 20% im Plus ist.
In der Kurz-Analyse:
Orklas Umbau
In über 90% der dänischen Küchenschränke steckt mindestens eine Marke von Orkla. Ketchup, Senf, Marmelade, Chips, Tiefkühlpizza. Insgesamt macht der norwegische Konzern rund 6,5 Mrd. € Umsatz mit etwa 18.000 Mitarbeitern. Das Problem: Orkla war jahrzehntelang ein klassischer Mischkonzern und baut sich jetzt radikal zur Holding um.
Kaufen und Verkaufen: Das Indien-Geschäft hat Orkla dort an die Börse gebracht, einen isländischen Schokoladenhersteller abgestoßen. Dafür hat der Konzern für über 200 Mio. € die European Candy Group gekauft, um die vegane Erfolgsmarke BUBS europaweit zu skalieren. Dazu kommen 40% an der asiatischen Saucen-Marke Go-Tan.
Heimlicher Gewinnbringer: Orklas größter Ergebnislieferant ist gar kein Lebensmittel. Es ist Jotun, ein norwegischer Farben- und Lackhersteller. Orkla hält über 40% und führt die Firma nicht mal selbst. Im letzten Quartal hat Jotun rund 185 Mio. € operativen Gewinn gemacht, auf Orklas Anteil entfallen knapp 80 Mio. €. Das ist mehr als die gut 55 Mio. € von Orkla Foods.
Wachstumsproblem: Beim Kerngeschäft Orkla Foods ist der Umsatz zuletzt leicht gesunken. Das organische Wachstum über alle konsolidierten Firmen? Praktisch null, nach fast 5% im Quartal davor. Viel Wachstum der letzten Jahre kam über Preiserhöhungen. Jetzt fehlt dieser Hebel, gleichzeitig gehen die Mengen zurück.
Aktionärspflege: Im ersten Halbjahr sind rund 740 Mio. € durch Dividende und Rückkäufe an die Aktionäre geflossen. Zusammen mit Investitionen und Zukäufen sind die Schulden dadurch auf knapp 2 Mrd. € gestiegen.
An der Börse ist Orkla fast 8,5 Mrd. € wert. Das ist das 14-fache vom erwarteten Gewinn und damit günstiger als im Schnitt der letzten Jahre. Dazu kommen 4% Dividendenrendite. ABER: Der Umbau muss schneller funktionieren als der Rückgang der Marken in den Regalen. Ende des Jahres soll eine neue Mittelfrist-Strategie kommen.
Unter allen Immobilien-Segmenten ist das operative Nettoeinkommen von Self-Storage-Firmen in den letzten 15 Jahren am stärksten gewachsen. Die kleinen, garagenähnlichen Lagerhallen kennt man vielleicht aus US-Serien wie Storage Wars. In den USA mietet mehr als jeder achte Haushalt so einen Raum.
Das Geschäftsmodell ist clever: Neukunden werden mit günstigen Einstiegspreisen reingeholt, danach steigen die Mieten Jahr für Jahr. Gekündigt wird selten. Ende 2025 lag der tatsächlich gezahlte Preis in den USA fast 20% über dem beworbenen.
Was treibt die Nachfrage? Scheidung, Todesfall, Ausmisten, Wohnungsverkleinerung, wachsende Familie, Umbauten. In der Pandemie ist die Nachfrage dann nochmal krass gestiegen, weil viele Amerikaner umgezogen sind oder Platz fürs Home Office brauchten.
Post-Corona-Flaute: Nach dem Hype ist die Belegung wieder zurückgegangen, der Häusermarkt liegt auf einem Tief, es gab weniger Umzüge. Die Aktien der großen Self-Storage-Unternehmen sind seit Corona um die 30% gefallen. Seit Anfang 2025 steigt die Belegung zum ersten Mal wieder.
Extra Space Storage ist der größte Player mit über 4.400 Standorten. Die Funds from Operations pro Aktie (also das Cash aus den Mieteinnahmen) sind über die letzten 10 Jahre mit im Schnitt 10% pro Jahr gewachsen. Nur knapp die Hälfte der Standorte gehört ihnen wirklich. Rund 40% gehören Partnern, für die Extra Space nur die Verwaltung übernimmt. Das kostet kaum Kapital, pusht die Marke und gibt Extra die Option, gut laufende Hallen später aufzukaufen.
Günstig ist das Ganze nicht: 14 Mrd. $ Schulden, 30 Mrd. $ Börsenwert, knapp 2 Mrd. $ Cash aus Mieteinnahmen. Der Börsenwert liegt also rund 18-mal so hoch. Als REIT muss Extra Space mindestens 90% vom Gewinn ausschütten, was kaum Spielraum für Investitionen lässt. Für Aktionäre gibt's dafür knapp 4,5% Dividendenrendite.
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