Gestern gab's einen neuen DAX-Rekord. Dank geht vor allem raus an Bayer und Vonovia (Details unten). Ansonsten viele KI- und Auto-News.
Übrigens: Bei unserem Partner Scalable Capital kann man mittlerweile seit einem Jahr nicht nur Aktien, Anleihen und ETFs, sondern auch den Private Equity Fund von BlackRock kaufen. So kann man in Unternehmen investieren, die noch nicht an der Börse sind - zum Beispiel Vinted, Stepstone oder Belron (die Firma hinter Carglass).
Zahl des Tages:5%. OpenAI hat der US-Regierung laut Financial Times angeboten, eine fünfprozentige Beteiligung am Unternehmen auf Basis der aktuellen Bewertung (850 Mrd. $) zu erhalten. Die Idee dahinter: Auch andere große US-KI-Firmen wie Anthropic, Google oder Meta sollen jeweils 5% ihrer Anteile in einen gemeinsamen Staatsfonds einzahlen, damit die Öffentlichkeit vom KI-Boom profitieren kann. Konkret ist bisher aber noch nichts.
Thema des Tages:
Tesla und BYD liefern
Tesla (-7%) hat im zweiten Quartal knapp 480.000 Autos ausgeliefert. Das war deutlich mehr als erwartet und im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 25%. Dabei machen Model 3 und Model Y zusammen 97% aller Auslieferungen aus. Die Erholung dürfte an niedrigeren Preisen liegen, aber auch am Iran-Krieg: Die hohen Spritpreise in Europa haben hier die Nachfrage nach E-Autos angekurbelt.
Trotzdem ist die Aktie gestern deutlich gefallen. Denn die hohe Tesla-Bewertung kommt nicht vom Auto-Business, sondern von den Visionen rund um autonome Roboter. Und damit haben die Lieferzahlen eben nichts zu tun. Dazu war gestern generell schlechte Stimmung bei riskanten Aktien im KI-Umfeld und zu denen gehört eben auch Tesla.
Bei den kleineren US-Herstellern gab's ein gemischtes Bild. Rivian (+8%) hat mit 12.200 ausgelieferten Fahrzeugen die Erwartungen übertroffen und die Jahresprognose angehoben. Lucid (-8%) dagegen hat die Erwartung verfehlt.
Und auch in China gab’s Verkaufszahlen. BYD (+4%) hat im Juni 403.000 Autos verkauft, 5% mehr als im Vorjahr. Laut Deutsche Bank ist der Quartalsabsatz damit um fast 60% gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Die Bank rechnet deshalb mit einem Gewinnsprung von fast 150% im Vergleich zum Vorquartal. Gute News auch von Xiaomi (+4%): Die Firma hat den dritten Monat in Folge über 30.000 Autos ausgeliefert, und im August kommt noch ein neuer Luxus-SUV auf den Markt, der die Verkäufe nochmal anziehen lassen könnte.
Was sonst noch los war:
Anthropic hat laut The Information angefangen, an einem eigenen KI-Chip zu arbeiten. Möglicher Produktionspartner: Samsung. Für Samsung wäre das ein wichtiger Deal im Wettbewerb mit TSMC. Grund für die eigenen Chips ist genau wie bei OpenAI, Alphabet und Co. die Kostenkontrolle und weniger Abhängigkeit von NVIDIA. Erst im letzten Monat hat OpenAI ja mit Broadcom seinen ersten eigenen Chip vorgestellt.
NVIDIA (-1%) will unabhängiger von den Tech-Riesen werden und geht jetzt gezielt auf kleinere Cloud-Anbieter zu. Das Unternehmen garantiert ihnen teilweise sogar, ungenutzte GPU-Kapazitäten notfalls selbst zurückzumieten, falls die keine Kunden finden. Im Gegenzug kriegt NVIDIA einen Anteil an den Einnahmen. Das macht es für Anbieter mit schwächerer Bonität deutlich einfacher, überhaupt Kredite für den Bau von Rechenzentren zu bekommen.
Blue Owl (+5%) hat im letzten Quartal Abflüsse von 5 Mrd. $ aus den zwei größten Private-Credit-Fonds verzeichnet. Beim Tech-fokussierten Fonds wollten Kunden sogar 38% vom kompletten Volumen rausziehen. Die Aktie hat trotzdem zugelegt, denn vor einem Quartal wollten Investoren noch mehr abziehen.
Bayer (+9%) hat den DAX auf ein neues Rekordhoch gepusht. Der Konzern bündelt sein US-Geschäft mit Glyphosat jetzt wegen der Sammelklage in einer neuen Tochtergesellschaft. Fast 70.000 Klagen laufen noch, für die ein außergerichtlicher Vergleich über knapp 7 Mrd. $ bis Mitte August stehen soll. Durch die Ausgliederung ist das Geschäft jetzt rechtlich vom Rest getrennt. Heißt: Im Zweifel könnte Bayer die neue Firma auch in die Insolvenz schicken oder abstoßen, falls der Vergleich scheitert.
Vonovia (+6%) profitiert davon, dass die Bundesregierung ein Gesetz zur Verhinderung von Wohnungs-Enteignungen durch die Bundesländer einführen will. Die Diskussion gab’s ja in Berlin. Allein dort hat Vonovia laut JP Morgan einen Bestand im Wert von 23 Mrd. €, der 30% vom Gesamtportfolio ausmacht.
Der Börsengang von KNDS ist gescheitert. Der deutsch-französische Panzerbauer will wegen des schwachen Umfelds für Rüstungsaktien gerade nicht an die Börse. Laut Financial Times gab's zuletzt schon Probleme, Investoren bei der Bewertung von 12 Mrd. € zu finden.
In der Kurz-Analyse:
Trane kühlt ab
In den USA haben rund 90% der Haushalte eine Klimaanlage. In Europa sind's nur etwa 20%, in Deutschland sogar nur 3%. Das ändert sich: Die Internationale Energieagentur erwartet, dass sich die Zahl der Klimaanlagen in der EU bis 2050 auf rund 275 Millionen mehr als verdoppelt. Und das bringt uns zu Trane.
Trane sitzt zwar in Irland, ist aber eigentlich ein US-Unternehmen. Die Firma baut kaum kleine Klimageräte für einzelne Räume, sondern vor allem die großen Anlagen fürs Gewerbe und Rechenzentren. Im letzten Jahr hat Trane rund 20 Mrd. $ Umsatz gemacht.
Was macht die Firma aus?
Starkes Servicegeschäft: So eine große Anlage läuft 15 bis 20 Jahre, und in der Zeit laufen Service und Wartung über Trane. Das macht schon ein Drittel vom Umsatz aus, ist margenstärker als der reine Geräteverkauf und wächst zweistellig.
Volle Auftragsbücher: Die Auftragseingänge bei großen Gewerbeanlagen in den USA sind zuletzt um rund 40% gestiegen. Das Book-to-Bill-Ratio liegt bei 135%. Heißt: Trane bekommt deutlich mehr Aufträge rein, als es grad abarbeiten kann.
Rechenzentren als Treiber: Der größte Teil der Gewerbekunden sind Rechenzentren, die massiv Kühlung brauchen. Dafür hat Trane die Firma Stellar Energy zugekauft, was allein rund 1 Mrd. $ zum Auftragsbestand beigesteuert hat.
Europa als Potenzial: Bisher kommen nur rund 13% vom Umsatz aus Europa. Langfristig könnte der Nachholbedarf bei Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen hier ein Wachstumstreiber werden. Im Eigenheim sind aber asiatische Hersteller wie Daikin, Mitsubishi oder Samsung stärker.
Seit Jahresbeginn liegt die Aktie rund 25% im Plus und Trane ist damit rund 110 Mrd. $ wert. Das KGV von 31 liegt über dem Schnitt der letzten Jahre. Dafür hat Trane geliefert: Seit 2020 ist der Umsatz im Schnitt um 11% pro Jahr gestiegen und die Firma ist profitabler geworden. Wer hier einsteigt, wettet aber vor allem darauf, dass der Rechenzentrumsboom anhält.
Die meisten Aktien im Klimaanlagenbereich sind zuletzt stark gelaufen - genau wie Trane. Eine sticht aber raus, weil sie seit Jahresanfang 5% im Minus liegt: Beijer Ref. Die Firma wird mit 6 Mrd. € bewertet, das ist ein KGV von 25. Klingt nicht billig, ist aber unter dem eigenen Schnitt der letzten Jahre, der sogar über 30 liegt.
Beijer Ref wurde 1866 in Malmö gegründet und fokussiert sich heute voll auf Klima- und Kältetechnik. Die Firma wächst vor allem durch Übernahmen, ist also ein klassischer Serial Acquirer. In den letzten zehn Jahren hat die Aktie 700% Rendite gemacht, das sind rund 23% pro Jahr. Nur: Die Rendite kam komplett in den ersten fünf Jahren. Seitdem hat sich die Aktie seitwärts bewegt, obwohl der operative Gewinn von rund 100 Mio. € auf über 300 Mio. € gestiegen ist.
So sieht das Business aus:
Das Geschäft: 60% vom Umsatz kommen aus Klimatechnik (Wärmepumpen, Klimaanlagen, auch für Haushalte), 30% aus Kältetechnik (Kühl- und Gefrierschränke für Supermärkte und Gewerbe). Beijer Ref ist dabei vor allem Großhändler für andere Marken, 10% machen eigene Produkte aus.
Regional: 60% Europa, 20% Asien, 20% Nordamerika. Gerade Nordamerika wird stark ausgebaut.
Warum die Seitwärtsbewegung? Die Aktie war vor fünf Jahren sehr teuer, die Baubranche hat unter hohen Zinsen gelitten und das organische Wachstum ist 2023 sogar ins Negative gedreht. Dazu hat der Großaktionär EQT seine Anteile verkauft, was Verkaufsdruck gebracht hat. Der ist jetzt aber vorbei.
Wenn Beijer Ref wie geplant 10 bis 15% Umsatzwachstum durch Übernahmen schafft und die Marge leicht steigert, sind bei gleichbleibendem KGV 10 bis 15% Rendite pro Jahr nicht utopisch. Dass die Aktie wieder an die jährliche Rendite von 23% rankommt, wird aber eher schwierig. Dafür müsste die Firma schneller wachsen als erwartet oder Investoren wieder ein deutlich höheres KGV zahlen. Nachdem man gesehen hat, wie zyklisch das Geschäft ist, wirkt das nicht wahrscheinlich.
Bin letztes Wochenende eher durch Zufall über eine Doku-Serie von ARD/SR über Sterneköche in Deutschland gestoßen. Hab zwei Folgen geschaut und fand vor allem die mit Clemens Rambichler sehr stark - von der Grundeinstellung her ähnlich zu vielen, die in der Wirtschaft erfolgreich sind.
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