Vor einigen Wochen haben wir hier geschrieben, dass die Secondhand-Plattform Vinted mittlerweile 8 Mrd. $ wert ist. Jetzt kam raus, dass Vinted das neueste Investment im BlackRock Private Equity Fonds bei unserem Partner Scalable Capital ist. Mehr Infos dazu hier.
Nicht so gute Nachrichten gab's gestern für Ferrari:
Was war los gestern?
(Stand 26.05.2026, 22:00 Uhr)
DAX
25.185
-0.80%
STOXX 50
6.064
-1.18%
S&P 500
7.519
+0.61%
NASDAQ
26.656
+1.19%
Bitcoin
75.930 $
-1.73%
Micron
896 $
+19.29%
Zahl des Tages:16.800.000.000 $. So viel hat allein das Investment in Anthropic den Gewinn von Amazon im letzten Quartal nach oben getrieben. Insgesamt haben die S&P-500-Firmen ihren Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um 29% gesteigert, das stärkste Wachstum seit 2021. Damals gab's allerdings den Sondereffekt, dass man sich mit einem schwachen Pandemie-Vorjahr vergleichen konnte.
Und auch diesmal stecken Sondereffekte drin: hohe Ölpreise und eben Buchgewinne durch KI-Beteiligungen von Amazon, Alphabet & Co. Die 16,8 Mrd. $ bei Amazon gibt‘s nur auf dem Papier. Wenn die Bewertung von Anthropic sinkt, dreht sich der Effekt um. Genau das ist vor ein paar Jahren schon durch Amazons Investment bei Rivian passiert.
Produkt der Woche - wer errät die Firma?
Es geht nicht um Basketball, sondern um den riesigen Screen, der im Intuit Dome hängt - dem Stadium vom Ex-Microsoft-CEO Steve Ballmer. Welche börsennotierte Firma hat diesen Screen gebaut?
Auflösung unten.
Thema des Tages:
Billionen, TikTok & Xiaomi
Gleich drei große Chip-News gestern:
Nr. 1: Micron knackt die 1.000 Mrd. $
Micron hat gestern über 19% zugelegt und damit das erste Mal ever die Marke von 1.000 Mrd. $ Börsenwert geknackt. Auslöser war ein UBS-Analyst, der das Kursziel auf über 1.800 Mrd. $ angehoben hat. Zusammen mit der Hoffnung auf einen Friedensdeal im Iran hat das den gesamten Chip-Bereich gestern nach oben gezogen.
Nr. 2: Qualcomm dealt mit ByteDance
Qualcomm (+4%) hat einen Deal mit ByteDance gemacht, also der Firma hinter TikTok und vielen anderen Apps. ByteDance wird KI-Chips von Qualcomm kaufen. Wegen der US-Exportregeln werden das keine kompletten High-End-Chips sein, aber bei der Größe von ByteDance könnte es ein relevantes Volumen werden.
Nr. 3: Xiaomi unter Druck
Bei Xiaomi (-1%) sieht's deutlich schlechter aus. Der Umsatz ist das erste Mal seit fast drei Jahren gesunken, der Gewinn hat sich mehr als halbiert. Grund sind vor allem gestiegene Speicherchip-Preise, die besonders die günstigen Handys unprofitabler machen. Um gegenzusteuern, hebt Xiaomi die Preise an. Weniger Verkäufe drücken dann den Umsatz. Ein Teufelskreis, der erklärt, wieso sich die Aktie in den letzten zwölf Monaten fast halbiert hat.
Was sonst noch los war:
Taiwan hat am Montag Indien als fünftgrößten Aktienmarkt der Welt abgelöst. Alle taiwanesischen Firmen zusammen sind mittlerweile fast 5.000 Mrd. $ wert, getrieben von TSMC mit über 2.000 Mrd. $. Nur die USA, China, Japan und Hongkong sind größer.
BP (-4%) hat den Verwaltungsratschef Albert Manifold entlassen. Begründung: "schwerwiegende Bedenken über sein Verhalten". Laut Insidern soll er Infos vor anderen Verwaltungsratsmitgliedern verheimlicht und überheblich gegenüber Mitarbeitern aufgetreten sein.
Madison Square Garden Sports (+4%) profitiert davon, dass die New York Knicks zum ersten Mal seit 1999 wieder im NBA-Finale stehen. Die Aktie hat sich in den letzten zwölf Monaten schon fast verdoppelt, was aber auch am Plan liegt, die Knicks und die Rangers eventuell separat an die Börse zu bringen.
Quantinuum könnte beim geplanten Börsengang eine Bewertung von über 10 Mrd. $ erreichen. Das freut vor allem Honeywell, denen auch nach dem IPO rund 50% der Stimmrechte gehören würden.
Eli Lilly hat für knapp 4 Mrd. $ drei Biotech-Firmen gekauft, die Impfstoffe gegen das Epstein-Barr-Virus, Gürtelrose und bakterielle Erreger entwickeln.
Bei Dropbox (-3%) hat Gründer Drew Houston nach fast zwei Jahrzehnten seinen Rücktritt als CEO verkündet.
In der Kurz-Analyse:
Ferraris Elektro-Risiko
Ferrari (-5%) hat seinen ersten vollelektrischen Sportwagen vorgestellt. Die Reaktionen? Vernichtend. Das Design stammt nicht von Ferraris eigener Abteilung, sondern von Jony Ives Studio LoveFrom. Ive hat 27 Jahre bei Apple das iPhone, den iPod und die Apple Watch gestaltet. Das Ergebnis bricht mit der klassischen Ferrari-Optik, online wurde der Luce mit einem Honda Accord oder Tesla Model 3 verglichen. Ex-Ferrari-Chef Montezemolo meinte, das Auto riskiere, einen Mythos zu zerstören.
Das Problem geht über Design hinaus:
Schrumpfender E-Markt im Luxussegment: Lamborghini und McLaren sehen keinen relevanten Markt für vollelektrische Sportwagen. Porsche hat seine Elektropläne zurückgefahren. Ferrari selbst hat das Ziel von 40% elektrischen Modellen bis 2030 auf 20% halbiert.
Wiederverkaufswert fraglich: Reiche Käufer holen sich Ferraris auch als Wertanlage. Ältere Hybrid-Modelle haben auf dem Gebrauchtmarkt schlechter ihren Wert gehalten als reine Verbrenner. Ob ein Garantieprogramm für Batterie und Elektronik Sammler überzeugt, ist offen.
Technik überzeugt: Über 1.000 PS, 0 auf 100 in 2,5 Sekunden, über 310 km/h, mehr als 500 km Reichweite. Dazu der erste Ferrari mit fünf Sitzen. Preis: 550.000 €.
Kein Zwangskauf: Ferrari hat klargestellt, dass niemand einen Luce kaufen muss, um an andere Modelle ranzukommen.
Ist es wirklich so schlimm? Ferrari produziert knapp 14.000 Autos pro Jahr, kein Massenmarkt. Man muss also gar nicht wahnsinnig viele Auto-Fans vom Luce überzeugen. Der CEO hat außerdem gesagt, der Luce werde vom ersten Tag an profitabel sein.
Auch ohne Luce-Fail hat die Aktie auf Jahressicht über 30% verloren. Der Börsenwert liegt bei 55 Mrd. €, das erwartete KGV bei 32. Klingt viel für einen Autohersteller, aber Ferrari hat als Luxusmarke deutlich höhere Margen und ein stabileres Business. Tatsächlich lag das KGV im Schnitt der letzten drei Jahre bei fast 45. Allerdings muss Ferrari jetzt zeigen, ob der Schritt in den E-Auto-Markt klappt. Der erste Aufschlag war nicht überzeugend.
Essenslieferdienste waren lange Geldverbrenner. DoorDash hat das Gegenteil bewiesen. Der Umsatz ist im letzten Quartal ohne Übernahmen um 21% gewachsen, mit der Deliveroo-Übernahme sogar um 33%. Auf den ersten Blick wirkt die Bewertung von 70 Mrd. $ moderat: Analysten rechnen dieses Jahr mit 2,5 Mrd. $ adjustiertem Nachsteuergewinn, also ein KGV von 28.
Aber man muss genau hinschauen:
Schöngerechneter Gewinn: Der offizielle Nachsteuergewinn lag letztes Jahr bei nur 900 Mio. $. Analysten rechnen Aktienboni raus, die aber laufende Kosten sind. Dazu kommen 700 Mio. $ Abschreibungen pro Jahr.
Faire Abzüge: Einen Teil der Abschreibungen kann man legitimerweise rausrechnen. Zum Beispiel 100 Mio. $ pro Jahr für die Deliveroo-Technologie, die schnell überholt sein wird. Das ist ein Sondereffekt.
Nicht faire Abzüge: Der größte Teil der Abschreibungen kommt daher, dass DoorDash Software-Entwicklungskosten aktiviert und über Jahre abschreibt. Diese Kosten fallen aber jedes Jahr wieder an und werden eher höher. Realistischer Nachsteuergewinn: eher 1,3 Mrd. $. Und das ist dann ein KGV von 50.
Warum das trotzdem aufgehen kann? Vor allem wegen der Zukunftsvisionen, über die der Gründer und CEO Tony Xu zum Beispiel hier gesprochen hat.
Was sind Beispiele?
Kassensysteme: Ein Analyst von Rothschild hat die Aktie von Toast vor Kurzem runtergestuft, weil er davon ausgeht, dass DoorDash ein eigenes Konkurrenzprodukt ausrollt.
DoorDash Tasks: Lieferfahrer filmen sich bei alltäglichen Aufgaben. Diese Videos lassen sich nutzen, um Roboter und KIs für die physische Welt zu trainieren. Offline-Daten gibt's viel weniger als Online-Daten und sind entsprechend wertvoll.
Vertriebskanal für Produkte: Wer einen neuen Smoothie verkaufen will, könnte ihn in Zukunft auf DoorDash einstellen. Restaurants melden sich, die es verkaufen wollen. Kein eigener Laden nötig.
Alles Zukunftsfantasien, die man bei einem KGV von 50 auch bezahlen muss. Aber ein Business, bei dem das nicht ganz abwegig ist.
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