Gute Stimmung gestern an der Börse. Das hat vor allem daran gelegen, dass US-Präsident Donald Trump weitere Angriffe auf den Iran abgesagt und neue Gespräche angekündigt hat. Deshalb sind die Ölpreise gefallen und die Aktienmärkte konnten zulegen. Für den DAX gab’s ein neues Rekordhoch. Das erste Mal ist der deutsche Leitindex über die Marke von 26.000 Punkten gestiegen.
Guten Start in den Tag von Timon, Christoph & Noah.
Was war los gestern?
(Stand 03.08.2026, 22:00 Uhr)
DAX
26.001
+1.45%
STOXX 50
6.427
+1.08%
S&P 500
7.601
+1.48%
NASDAQ
25.914
+2.13%
Bitcoin
63.886 $
+0.61%
Ferguson Enterprises
250 $
+6.72%
Zahl des Tages:360.000.000 $. So viel hat Spider-Man: Brand New Day am Eröffnungswochenende allein in den USA und Kanada eingespielt. Laut Bloomberg ist das der höchste Wert in der Geschichte Hollywoods. Geholfen haben könnte ironischerweise auch das heiße Wetter, das gerade viele Leute in klimatisierte Kinos treibt. Die Kino-Aktien laufen das ganze Jahr schon gut: AMC hat dieses Jahr schon um die 80% zugelegt, IMAX 40%.
Thema des Tages:
Aperol bekommt Konkurrenz
Campari war in den letzten Jahren eine der wenigen europäischen Alkohol-Firmen, denen es halbwegs gut gegangen ist. Der wichtigste Grund: Aperol Spritz.
Aber im wichtigen US-Markt braut sich Gegenwind zusammen.
Dort boomt nämlich nicht mehr der Aperol Spritz, sondern der Hugo Spritz. Und dafür braucht man Holunderblütenlikör. Genau da kommt St. Germain ins Spiel, eine Marke, die zu Bacardi gehört. In den letzten drei Monaten ist der Absatz von St. Germain in den USA um rund 40% gestiegen, während Aperol 4% verloren hat.
Muss Campari jetzt Panik haben?
Noch nicht. Die beiden spielen in komplett unterschiedlichen Ligen: Pro Jahr werden über 8 Mio. Flaschen Aperol verkauft und nur knapp 400.000 von St. Germain. Aber der Trend ist klar. Und Trends können sich in der Getränkeindustrie schnell verselbstständigen.
Was sonst noch los war:
Amazon (+5%) hat als fünfte Firma ever die Börsenwert-Schwelle von 3.000 Mrd. $ übersprungen. Nach NVIDIA, Alphabet, Microsoft und Apple. Die Aktie profitiert weiter von den starken Zahlen der letzten Woche.
Alibaba (+4%) hat sein bisher stärkstes KI-Modell vorgestellt: Qwen3.8-Max. Das Modell soll wochenlang weitgehend selbstständig programmieren können. In einem internen Test hat es angeblich 16 Tage lang an einem KI-Tool gebaut, es selbst getestet und Fehler behoben. In Vergleichstests hält es laut Alibaba mit den westlichen Spitzenmodellen mit oder schlägt sie teilweise.
Der chinesische Speicherchip-Hersteller CXMT überlegt, ein zweites Werk in Peking zu bauen. Das würde Micron und SK Hynix neue Konkurrenz bescheren. Apple betreibt bereits Lobbyarbeit, um Chips von CXMT nutzen zu dürfen.
Fanuc (-10%) hat trotz einer angehobenen Gewinnprognose zweistellig verloren. Der japanische Robotik-Weltmarktführer will beim operativen Gewinn 19% wachsen, aber Analysten haben mehr erwartet. Dazu werden die Komponenten in den Robotern (unter anderem Speicherchips) immer teurer.
Ferguson Enterprises (+7%) steigt morgen in den S&P 500 auf. Der Sanitär-Großhändler ersetzt dort Electronic Arts.
Visa (±0%) kauft die KI-Betrugserkennungsfirma BioCatch für fast 2,5 Mrd. $. Die Software analysiert Tipp-Rhythmen und Wischgesten, um echte Kunden von Betrügern zu unterscheiden. Über 350 Banken setzen das schon ein. Hintergrund: Kontoübernahmen und Betrug kosten laut Visa weltweit über 1.000 Mrd. $ im Jahr.
Deutsche Telekom (+5%) hat kräftig zugelegt, weil eine Fusion mit der US-Tochter T-Mobile US unwahrscheinlicher wird. Der Plan war in den letzten Wochen nicht gut angekommen. Experten hatten gewarnt, dass eine Integration sehr komplex wäre und sich erst nach Jahren auszahlen würde.
Beiersdorf (-2%) hat nochmal die Prognose für dieses Jahr gesenkt. Der Umsatz soll jetzt sinken statt konstant zu bleiben. Das Problem ist vor allem Nivea, wo der Umsatz 7% gefallen ist, weil man sich zu sehr auf Premium-Produkte fokussiert hat. Gegensteuern will Beiersdorf mit 100 Mio. € mehr Werbeausgaben im zweiten Halbjahr, 70% davon für digitale Kanäle wie Influencer-Koops.
Dazu gab's starke Zahlen von Palantir. Über 90% Umsatzwachstum. Prognose deutlich angehoben. Auch Bruttomarge bei fast 90%. Manko ist, dass Aktie schon so teuer ist. Deswegen hat sich gestern Abend auch nach den starken Zahlen nur rund 10% zugelegt.
In der Kurz-Analyse:
Patent-Klippen-Maxxing?
AstraZeneca denkt laut Financial Times über eine Mega-Fusion mit Bristol-Myers Squibb nach. Wert des Deals: rund 390 Mrd. $. Zusammen wären sie der viertgrößte Pharmakonzern der Welt. Die Reaktion der Börse: AstraZeneca -7%, Bristol-Myers nahezu unverändert
Denn AstraZeneca ist eine krasse Erfolgsgeschichte. 2014 hat CEO Pascal Soriot eine Übernahme durch Pfizer für 100 Mrd. $ abgelehnt, als die eigene Firma nur 60 Mrd. $ wert war. Er hat damals 45 Mrd. $ Umsatz bis 2023 versprochen und geliefert. Neues Ziel: 80 Mrd. $ Umsatz bis 2030. Dafür fließen jährlich über 14 Mrd. $ in Forschung, in Singapur wird für 1,5 Mrd. $ eine Fabrik gebaut für Medikamente, die noch nicht mal zugelassen sind.
AstraZeneca wird von der Börse also als Wachstums-Story gesehen. Und genau deswegen sind Investoren bei dem Deal skeptisch:
Wachstumsbremse: Analysten trauen AstraZeneca bis 2030 eben rund 80 Mrd. $ Umsatz zu. Bristol-Myers Squibb dürfte bis dahin sogar *weniger* Umsatz machen als heute, weil Patente auslaufen.
Bewertungslücke: Bristol wird mit dem Zehnfachen des erwarteten Gewinns bewertet, AstraZeneca mit dem 16-fachen. Das spiegelt die schwächere Pipeline wider.
Gleiche Challenge: Beide Firmen müssen neue Medikamente entwickeln, um Patent-Klippen auszugleichen. Man vergrößert das Hauptproblem eher. Im Netz gingen Memes rum: "Patent-Klippen-Maxxing".
Aber es sprechen auch Dinge für den Deal. Zusammen könnten sie rund 10% der gemeinsamen Verwaltungs- und Vertriebskosten sparen, also einige Milliarden pro Jahr. Dazu wird AstraZeneca schneller größer im US-Markt, wo sie aktuell unter 50% vom Umsatz machen.
Trotzdem: Vielleicht wär's für AstraZeneca sogar besser, wenn kein Deal kommt. Und das könnte auch gut sein. Die Medikamente überschneiden sich teilweise, was Kartellbehörden nicht gefallen dürfte.
Der Plan von FIFA-Präsident Infantino, die Weltmeisterschaft für Investoren zu öffnen, ist gescheitert. Einer der größten Verlierer: JPMorgan. Die Bank hat das Pitchdeck für die FIFA erstellt und hätte die Deals eingefädelt. Daraus wird nichts.
Und es ist nicht das erste Fußball-Foul: 2021 wollte JPMorgan die Super League mitfinanzieren (4 Mrd. $). Nach Fan-Protesten ist der Plan in zwei Tagen geplatzt. Die Bank hat versprochen, daraus zu lernen. Hat sie offensichtlich nicht.
Warum JPMorgan trotzdem immer wieder reingeht:
Sport als Geschäftsfeld: Seit 2021 hat die Bank über 10 Mrd. $ an Sport-Deals finanziert. Zehn der letzten 15 großen Sporttransaktionen liefen über JPMorgan. Sie war beim Einstieg von Jim Ratcliffe bei Manchester United dabei und hat das neue Bernabéu mitfinanziert. 2024 hat die Bank sogar eine eigene Sportabteilung im Investment Banking gegründet.
Superreiche wollen Teams: In den USA gibt's rund 1.500 Milliardäre, aber nur 200 Profiteams. Laut einer JPMorgan-Umfrage sind Sportteams inzwischen das größte Statussymbol unter Family Offices, noch vor Kunst und Autos. 34% sind an einem Sportteam beteiligt, 20% kontrollieren eins (2022 waren es noch 6%).
Europa-Expansion: Bis 2030 will JPMorgan fünf EU-Märkte erschließen. In UK hat Chase schon rund 3 Mio. Kunden, in Deutschland läuft der Start. Noch unprofitabel, aber die Bank ist zufrieden mit den Fortschritten.
Mit über 20 Mrd. $ Quartalsgewinn und einer Bewertung von über 900 Mrd. $ (KGV 15) kann sich JPMorgan solche Expansionsschritte und auch die Rückschläge im Fußball locker leisten. Gianni Infantino vermutlich bald nicht mehr.
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