Die Stimmung der Tech-Aktien war gestern sehr bescheiden - seht ihr gleich selbst. Aber nach Börsenschluss gab's noch einen Lichtblick:
25% ist der Umsatz von Intel letztes Quartal gestiegen und hatte damit das stärkste Wachstum seit 15 Jahren. Außerdem war der Umsatz mit 16 Mrd. $ fast 2 Mrd. $ über den Erwartungen. Der Bereich mit Chips für KI-Rechenzentren ist sogar 59% gewachsen und damit auch schneller als erwartet.
Außerdem steigen gleichzeitig die Margen. Die Bruttomarge war vor einem Jahr unter 30%. Jetzt ist sie über 40%, weil Intel höhere Preise verlangen kann. Und obwohl sich die Aktie dieses Jahr schon fast verdreifacht hat, ist sie gestern nach Börsenschluss nochmal um die 10% gestiegen.
Schönes Wochenende von Timon, Christoph & Noah
Was war los gestern?
(Stand 23.07.2026, 22:00 Uhr)
DAX
24.763
-1.56%
STOXX 50
6.210
-1.69%
S&P 500
7.408
-1.21%
NASDAQ
25.138
-2.15%
Bitcoin
65.027 $
-1.59%
STMicro
53 $
-18.67%
Zahl des Tages:3.000.000.000 €. Nestlé hat endlich einen Käufer für seine Wassermarken gefunden. Der Konzern will schon seit Jahren sein Wassergeschäft loswerden und verkauft jetzt 50% für 3 Mrd. € an einen Private-Equity-Investor.
Thema des Tages:
Öl hoch, Zinsen hoch, Tech runter
Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen haben gestern Öltanker von Saudi-Arabien im Roten Meer angegriffen. Neben der Straße von Hormus gibt's damit einen zweiten Brennpunkt in der Region. Die Folge: Der Ölpreis ist zum ersten Mal seit Mai wieder über 100 $ gestiegen.
Und das hat eine Kettenreaktion ausgelöst. Die Logik dahinter: Hoher Ölpreis bedeutet mehr Inflation, mehr Inflation bedeutet, die Zentralbank muss die Zinsen länger hoch halten (oder sogar weiter anheben). Passend dazu hat die EZB gestern den Leitzins zwar unverändert gelassen, aber es sieht stark nach einer Zinsanhebung im September aus. Auch die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen hat den höchsten Stand seit 2011 erreicht. Die Zinsen von US-Staatsanleihen sind auch gestiegen.
Warum trifft das vor allem Tech-Aktien?
Firmen wie Alphabet (-7%) investieren grade Rekordsummen in die Zukunft. Allein dieses Jahr sollen bis zu 205 Mrd. $ in Rechenzentren fließen. Die Umsätze wachsen zwar auch stark, aber die großen Gewinne liegen eben in der Zukunft. Und wenn die Zinsen steigen, wird Geld heute im Vergleich zu Geld in fünf Jahren attraktiver. Heißt auf Deutsch: Zukunftsgewinne werden weniger wert. Der NASDAQ hat gestern 3% verloren, Alphabet über 5%, Tesla sogar über 10%.
Was sonst noch los war:
Bei SAP gab’s nach Börsenschluss solide Zahlen - die Aktie ist um die 4% hoch. Grund könnte vor allem sein, dass sich das Wachstum beschleunigt: Im ersten Quartal ist der Cloud-Backlog also wie viele Aufträge fürs Cloud-Geschäft da sind, währungsbereinigt 25% gewachsen, jetzt 26%.
T-Mobile US (-5%) hat die Telekom-Aktie mit nach unten gezogen. Die Zahlen waren gar nicht schlecht, aber der Umsatz lag minimal unter den Erwartungen. Die Zahl neuer Kundenverträge (277.000) war zwar höher als geschätzt, aber über 10% niedriger als vor einem Jahr. Wegen Preiserhöhungen soll die Zahl im laufenden Quartal noch weiter sinken. Ein Analyst hat's treffend zusammengefasst: T-Mobile leidet unter dem Fluch der hohen Erwartungen.
STMicroelectronics (-15%) hat ein Umsatzwachstum von 16% fürs aktuelle Quartal angekündigt. Vor einem Jahr hätte sich jeder darüber gefreut. Aber die Aktie hat sich allein dieses Jahr mehr als verdreifacht, die Bewertung war entsprechend hoch und die Börse hat sogar noch einen Tick mehr erwartet.
In der Kurz-Analyse:
Das Ende von Value?
Der britische Warren Buffett knickt ein. Terry Smith hat über ein Jahrzehnt den Markt geschlagen, mit drei simplen Regeln: gute Unternehmen kaufen, nicht zu viel zahlen, nichts tun. In den letzten drei Jahren hat sein Fonds aber nicht mal 30% gemacht, während der MSCI World fast 70% zugelegt hat.
Smiths Erklärung: Passive Indexfonds und der KI-Hype treiben den Markt übers Kursmomentum statt über Fundamentaldaten. Seinen Investoren ist die Erklärung egal. Die sehen nur die schwache Performance und ziehen Geld ab. Von knapp 30 Mrd. $ in 2023 ist nur noch die Hälfte im Fonds.
Deshalb hat Smith jetzt seine dritte Regel gebrochen und die Hälfte seiner Positionen umgeschichtet:
Raus: LVMH, Nike und andere Quality-Aktien, die kurzfristig schwächeln.
Rein: Applovin, TSMC und GE Vernova. Aktien mit starkem Kursmomentum, aber auch fundamentalem Case.
Der Kontext: Momentum-Aktien haben zuletzt die höchsten Überrenditen seit Jahren erzielt. Das einzige vergleichbare Niveau war 1999, direkt vor der Dotcom-Bubble.
Parallele zu Buffett: Auch 1999 lief Buffetts Portfolio deutlich schlechter als der Markt. Medien fragten, ob das Orakel aus Omaha erledigt ist. Buffett blieb stur, und als die Blase platzte, hat er den Markt wieder überholt. Der Unterschied: Buffett braucht mit Berkshire kein Investorengeld. Smith schon.
Nokia war mal über 100 Mrd. € wert, zeitweise mehr als Apple. Dann kam der tiefe Fall. Jetzt hat sich der Börsenwert innerhalb eines Jahres von 20 auf 50 Mrd. € mehr als verdoppelt. Allein seit NVIDIAs 1 Mrd. $ Investment letzten Oktober ist die Aktie rund 50% gestiegen.
Der Grund: Nokia verdient kein Geld mehr mit Handys, sondern mit Netzwerkequipment. Und neben dem klassischen Geschäft mit Mobilfunktürmen und Glasfasernetzen wächst ein neues Segment:
KI-Boom: Der Umsatz im KI- & Cloudbereich ist im letzten Quartal 105% gewachsen. Insgesamt hat Nokia nur 9% zugelegt, das KI-Business macht mit rund 400 Mio. € erst etwa 10% vom Quartalsumsatz aus.
Eigene Chips: Nokia produziert Indiumphosphid-Chips für optische Datenübertragung. Wenn Rechenzentren von Kupfer- auf Glasfaserkabel umstellen, brauchen sie genau diese Chips. Die Produktion wird gerade stark ausgebaut.
Bewertungsvergleich: Lumentum, ein gehypter Konkurrent im Bereich optische Datenübertragung, macht mit rund 700 Mio. € Quartalsumsatz etwa das Doppelte von Nokias KI-Sparte und ist 60 Mrd. $ wert. Würde man Nokias KI-Geschäft mit der Hälfte davon bewerten, wären das 30 Mrd. € für ein Segment, das nur 10% vom Umsatz ausmacht.
Nokia kommt aktuell auf ein KGV von 25 und 65% Kursplus in diesem Jahr. Zu sagen, Nokia sei nicht teuer, weil Lumentum noch teurer ist, funktioniert natürlich nur, solange Lumentum nicht abschmiert. Trotzdem eine Momentum-Aktie, bei der man die Bewertung zumindest noch greifen kann.
Mal wieder ein Tipp der Woche in eigener Sache. Ich hab mich in den letzten Wochen zusammen mit Flo Adomeit sehr tief in die Geschichte von Axel Springer eingegraben. Wie hat er aus dem kleinen Verlag seines Vaters innerhalb kürzester Zeit den mächtigsten Verlag Deutschlands gemacht? Wie sind BILD, WELT, Hörzu und Co. eigentlich entstanden? Wie kam's zu Gruner + Jahr? Und wann wurde Axel Springer zum verhassten Verleger?
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