Erdgas-Engpass, NVIDIA-Deal & Copart-Comeback ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­    ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏  ͏ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­ ­  
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Guten Tagesstart von Timon, Christoph & Noah

Was war los gestern?

(Stand 27.07.2026, 22:00 Uhr)

DAX25.361+1.04%
STOXX 506.282+0.02%
S&P 5007.413+0.02%
NASDAQ24.932-0.18%
Bitcoin64.892 $-0.67%
NVIDIA197 $-4.99%

Zahl des Tages: 9.325 $. So viel hat Alphabets Robotaxi-Tochter Waymo seit 2024 für Falschparken in Austin bezahlt. Die selbstfahrenden Autos können offenbar besser fahren als parken.

Thema des Tages:

Chinas Chips treffen Börse

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466% Rendite an einem einzigen Tag. Nicht mit irgendeiner kleinen Biotech-Klitsche, sondern mit einem der größten Börsengänge in der Geschichte Chinas. Der viertgrößte Speicherchiphersteller der Welt, CXMT, hat gestern sein Börsendebüt gefeiert. Privatanleger wollten 212 Mal so viele Aktien kaufen wie überhaupt angeboten wurden.

 

Der IPO-Preis von knapp 100 Mrd. $ war viel zu günstig angesetzt. Am Ende des Tages stand CXMT bei rund 500 Mrd. $ und ist damit nach Tencent die zweitwertvollste chinesische Firma an der Börse. CXMT profitiert davon, dass Samsung, SK Hynix und Micron sich immer stärker auf High-End-KI-Chips fokussieren. Dadurch steigen die Preise für normale Speicherchips. Dazu kommt: Apple betreibt grad Lobbyarbeit, um Speicherchips von CXMT nutzen zu dürfen.

 

Während in China gefeiert wurde, hat die Aufholjagd gestern auch ASML erwischt.

 

Laut Medienberichten hat eine staatlich geförderte Firma in China angefangen, Lithographie-Maschinen mit tief-ultraviolettem Licht (DUV) herzustellen. Das sind nicht die EUV-Maschinen, bei denen ASML das Quasi-Monopol hat. Aber es ist trotzdem direkte Konkurrenz bei einem der Kernprodukte. ASML hat 6% verloren, andere Chipmaschinenhersteller und Firmen wie AMD haben unter der schlechten Stimmung auch gelitten.

 

Dazu hat noch NVIDIA die Sorgen befeuert, dass das Geld bei jungen KI-Firmen nicht mehr ganz so locker sitzt und riskante Deals gemacht werden. Sie denken laut Berichten nämlich darüber nach, für OpenAI zu bürgen. Konkret will OpenAI ein Rechenzentrum für 250 Mrd. $ leasen, und NVIDIA würde den Deal garantieren, falls OpenAI nicht zahlen kann. Weil in dem Rechenzentrum am Ende NVIDIA-Chips stecken, pushen die Kollegen so indirekt ihren eigenen Umsatz. Außerdem hat NVIDIA ein substanzielles Investment in Safe Superintelligence gemacht (das Startup vom ehemaligen Chef-Wissenschaftler von OpenAI, Ilya Sutskever).

 

Apple hat NVIDIA gestern wieder als wertvollste Firma der Welt überholt.

 

Was sonst noch los war:

  • Der Online-Casino-Konzern Evolution (+7%) hat einen neuen Großaktionär. Der Milliardär Kenneth Dart, der sein Geld unter anderem mit Plastikbechern gemacht hat, hat sich über 30% der Aktien gekauft. Laut schwedischem Gesetz muss er damit ein Übernahmeangebot für die restlichen Aktien abgeben. Fun Fact: Dart ist sonst vor allem in Tabak-Aktien wie BAT und Imperial Brands investiert. Er hat also ein Faible für eher umstrittene Geschäftsmodelle.
  • LVMH (+1%) ist in seiner wichtigen Fashion- und Ledersparte das erste Mal seit zwei Jahren gewachsen. Zwar nur 1%, aber immerhin. Das Schmuck- und Uhrengeschäft hat genau wie bei der Konkurrenz noch besser performt und ist über 10% gewachsen.
  • SAP, Scout24, Zalando (jeweils ca. +5%) haben im DAX von der schlechten KI-Stimmung profitiert. Wenn NVIDIA und Co. unter Druck stehen, performen die Aktien gut, die sonst unter KI-Sorgen leiden.
  • D-Wave Quantum (+9%) hat eine ausgebaute Partnerschaft mit AT&T verkündet. Es geht zwar immer noch eher um Tests und keine Millionenverträge mit richtig relevantem Umsatz, aber es ist ein wichtiges Signal für die ganze Quantencomputer-Branche.
  • Tyson und JBS (jeweils +5%) profitieren davon, dass die USA wieder Rinder aus Mexiko importieren werden. Der Import wurde 2024 aus Angst vor einer Tiererkrankung ausgesetzt, was das Angebot in den USA verknappt und die Preise hochgetrieben hat.
  • Zabka (-10%) hat's erwischt, weil die Übernahmegespräche mit dem 7-Eleven-Eigentümer Seven & i geplatzt sind. Die beiden konnten sich offenbar nicht auf die Konditionen einigen.
  • Porsche hat verkündet, in den kommenden Jahren nochmal 5.000 Stellen zu streichen.
  • Amazon will 5.000 Satelliten ins All schießen, um mit Starlink zu konkurrieren, und hat dafür gerade den Antrag bei den US-Behörden gestellt. Die Aktie hat darauf nicht reagiert.

In der Kurz-Analyse:

Totalschaden-Business

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Über 50% Kursverlust seit letztem Mai. Copart, die weltweit größte Online-Auktionsplattform für Autos mit Totalschaden, ist mit 27 Mrd. $ Börsenwert so günstig wie seit vier Jahren nicht mehr. Das Management scheint da eine Chance zu sehen: In den letzten neun Monaten hat die Firma Aktien für über 1,5 Mrd. $ zurückgekauft, der größte Rückkauf in der Firmengeschichte. Dazu stehen noch 4 Mrd. $ Netto-Cash in der Bilanz.

 

Das Geschäftsmodell: Versicherungen geben geschrottete Autos an Copart, die Firma lagert sie auf eigenen Grundstücken und versteigert sie online. Bezahlt wird von beiden Seiten. In den letzten 10 Jahren ist der Umsatz im Schnitt über 15% pro Jahr auf ca. 4,5 Mrd. $ gewachsen. Aber genau dieses Wachstum stockt jetzt.

 

Was ist passiert?

  • Konkurrenz holt auf: IAA (jetzt unter Ritchie Bros.) hat angefangen, selbst Grundstücke zu kaufen statt zu mieten. Damit schmilzt Coparts struktureller Vorteil. Gleichzeitig hat der Versicherer Progressive Volumen Richtung IAA verlagert.
  • Weniger Vollkasko: Steigende Versicherungsprämien führen dazu, dass viele Amerikaner nur noch Teilkasko abschließen. Geschrottete Wagen landen dadurch gar nicht erst bei Copart.
  • Autonomes Fahren: Jeder Fortschritt bei Waymo und Co. wird als langfristige Gefahr gedeutet, weil weniger Unfälle auch weniger Totalschäden bedeuten.
  • CEO-Wechsel: Jeff Liaw geht, Gründer-Schwiegersohn Jay Adair übernimmt wieder. Einen Grund hat Copart nicht genannt.

Es gibt aber auch Rückenwind: Autos werden durch Sensoren, Kameras und Elektronik immer komplexer. Selbst bei kleinen Unfällen wird die Reparatur so teuer, dass Versicherungen den Wagen lieber abschreiben. Das KGV ist von rund 40 auf knapp 17 gefallen. Günstig für Copart-Verhältnisse, aber die Lage ist auch schwerer einzuschätzen als in den letzten Jahren.

Zum Podcast

In der Kurz-Analyse:

Erdgas-Engpass

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Dass KI zu einer massiven Energienachfrage führt, ist bekannt. An der Börse sieht man die Dynamik bei allen Firmen, die schnell Strom an Rechenzentren liefern können: Gasturbinen von GE Vernova und Siemens Energy, Brennstoffzellen von Bloom Energy. Das Ding ist: Die laufen alle vor allem mit Erdgas. Rohstoffinvestor Matthew Smith argumentiert, dass wir ab 2028 in einen extremen Engpass laufen könnten.

  • Die Export-Falle: Laut seiner Analyse wird die komplette zusätzliche US-Erdgasproduktion so gut wie komplett in Exporte fließen. Das sind langfristige LNG-Projekte, die seit Jahren geplant sind und auf die andere Staaten angewiesen sind. Zurückdrehen geht nicht.
  • KI on top: Zur Export-Nachfrage kommt jetzt die steigende KI-Nachfrage. Produktion ausbauen dauert aber: Alleine die Verarbeitungsanlagen an der Quelle brauchen 2-3 Jahre Bauzeit. Aktuell wird nur genug gebaut, um die Export-Nachfrage zu decken, nicht die KI-Nachfrage.
  • Schrumpfende Puffer: Die Erdgasspeicher wachsen seit Jahren zu langsam mit. 2010 reichten die Speicher für 72 Tage Bedarf, jetzt nur noch für 50. Das macht kurzfristige Preissprünge wahrscheinlicher.
  • Mögliche Profiteure: Erdgasproduzenten wie Expand Energy (größter unabhängiger US-Produzent, zweitgrößte Position im Portfolio von Howard Marks). Aber auch Solarfirmen und Uran-Player wie Cameco, weil steigende Gaspreise Alternativen attraktiver machen.
  • Mögliche Verlierer: Genau Firmen wie Bloom Energy, die an günstig verfügbarem Erdgas hängen.

Wichtig: Das ist erstmal nur eine These. Viele smarte Leute sind da noch eher entspannt. Wer mehr dazu wissen will, findet hier den Brief von Matthew Smith mit mehr Zahlen & Ausführungen.

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