IBM hat vor einigen Tagen verkündet, dass sie das erste Mal den Quantum Advantage erreicht haben. Heißt: Ein Quantencomputer konnte was rechnen, was ein normaler Rechner nicht geschafft hat.
Aber wo steht die Branche wirklich? Wie weit ist sie von echter Massenanwendung entfernt? Wie steht Europa im Quantencomputer-Wettbewerb da?
Diese ganzen Fragen haben wir am Samstag mit gleich zwei Experten im Podcast diskutiert. Hört rein.
Guten Wochenstart wünschen Timon, Christoph & Noah
Hier noch die Earnings der Woche:
Was war los gestern?
(Stand 08.08.2026, 22:00 Uhr)
DAX
26.319
+0.69%
STOXX 50
6.524
+0.33%
S&P 500
7.758
+0.62%
NASDAQ
26.691
+1.30%
Bitcoin
65.184 $
+0.42%
SpaceX
133 $
+15.83%
Zahl des Tages:4,7%. So viel hält Rockstar-Energy-Gründer Russ Savage am Energydrink-Konkurrenten Celsius. Nach schwachen Quartalszahlen und einem Kursverlust von über 15% hat Savage Ende letzter Woche gefordert, dass das komplette Management von Celsius rausfliegen muss. Und er hat sich direkt selbst als CEO-Kandidaten ins Spiel gebracht. Die Aktie hat nach seinen Statements über 15% zugelegt. Wirtschaftskrimi mit Koffein.
Thema des Tages:
Tag der Comebacks
Freitag war Tag der Comebacks:
Nr. 1: Atlassian (+35%)
Die australische Softwarefirma hinter Jira und Trello hat dieses Jahr bis Donnerstag schon wieder 30% verloren. Die Sorge: KI macht Projektmanagement-Tools überflüssig oder so billig nachbaubar, dass niemand mehr dafür zahlt. Dann kamen die Zahlen. Der Umsatz ist 28% gewachsen, die Prognose liegt über den Erwartungen.
Gründer Mike Cannon-Brookes hat angekündigt, für 250 Mio. $ eigene Aktien an der Börse zu kaufen. Besonders spannend: Es gibt deutlich mehr große Verträge, darunter den größten Einzeldeal der Firmengeschichte. Und das KI-Tool Rovo, das auf interne Firmendaten zugreift, scheint tatsächlich Umsatz zu treiben.
Nr. 2: Doximity (+30%)
Das amerikanische LinkedIn für Ärzte hat dieses Jahr vor Freitag schon 50% verloren. Die Sorge hier: KI-Konkurrenten drängen in den Markt, und die KI-gestütztenToolsfressen die Margen auf. Früher hat ein Arzt eine Datenbank abgefragt (kaum Kosten), heute fragt er die Doximity-KI (viel Rechenleistung, echte Kosten).
Der CEO hat das zerschlagen: Die KI-Suche bringt schon jetzt 10-Mal mehr Umsatz als sie kostet. Dazu spreche Doximity plötzlich nicht mehr mit Marketing-Abteilungen der Pharma-Konzerne, sondern mit deren Vorständen. Zwischenzeitlich hat die Aktie sogar über 100% zugelegt, weil viele Shortseller ihre Wetten auflösen mussten.
Nr. 3: Airbnb (+17%)
Das Comeback läuft schon etwas länger, aber am Freitag hat Airbnb endlich den Höchststand vom März 2024 geknackt. Das Buchungsvolumen ist 16% gewachsen und lag mit 27 Mrd. $ rund 1 Mrd. $ über den Erwartungen.
CEO Brian Chesky sieht KI als Rückenwind auf allen Seiten: mehr Angebot (KI hilft neuen Anbietern beim Einstellen), mehr Nachfrage (KI-Suche kommt bald) und weniger Kosten (Kundenservice). Bei einer Bewertung mit dem 30-fachen Gewinn muss man aber auch glauben, dass das alles so kommt.
Nr. 4: Berkshire Hathaway
Comeback in der traditionellen Welt: Seit über 3 Jahren hat Berkshire Hathaway jedes Quartal mehr Aktien verkauft als gekauft. Unter dem neuen CEO Greg Abel hat sich das jetzt zum ersten Mal gedreht. Unterm Strich hat er 19,8 Mrd. $ in Aktien investiert, darunter das große Alphabet-Investment und rund 5 Mrd. $ an eigenen Aktien.
Verkauft hat er für unter 4 Mrd. $, der niedrigste Wert seit 2022. Nicht so positiv für Berkshires Versicherungsgeschäft: Konkurrent Münchener Rück (-2%) hat gewarnt, dass die Preise im Rückversicherungsmarkt durch Wettbewerb sinken.
Was sonst noch los war:
SpaceX (+16%) hat am Freitag kräftig zugelegt. Am Donnerstag sind über 100 Mrd. $ an Aktien frei geworden, die vorher für einen Verkauf gesperrt waren. Dass der befürchtete Verkaufsdruck ausgeblieben ist, hat Investoren zurückgeholt. Dazu hat der schwache US-Arbeitsmarktbericht geholfen. Bei einem schwachen Arbeitsmarkt muss die Zentralbank nämlich vorsichtiger sein, bevor sie Zinsen anhebt. Und grade für Firmen, die viel in die Zukunft investieren, sind hohe Zinsen nicht so gut.
In der Kurz-Analyse:
Finnlands Discounter-Juwel
Mit über 10% hat Finnland die höchste Arbeitslosenquote der gesamten EU. Die Firmen, die in dem Umfeld trotzdem wachsen, können sich vor Bewerbern kaum retten. Bei der Discounter-Heimwerkerkette Puuilo gab's letzten Sommer auf 200 Ferienjobs 21.000 Bewerber.
Puuilo verkauft alles rund um Haus und Garten, aber bewusst keine klassischen Baustoffe wie Holz oder Zement (schwer zu transportieren, margenschwach) und keine Kleidung (hoher Wettbewerb, Personalbedarf). Die Läden sind komplett auf Selbstbedienung ausgelegt.
Starke Margen: Während der größte Wettbewerber Tokmanni auf 7% operative Marge kommt, liegt Puuilo bei 17%. Tendenz steigend. Der Eigenmarkenanteil ist von 16% (2020) auf knapp 25% gewachsen.
Solides Wachstum: In den letzten 7 Jahren ist der Umsatz mit im Schnitt 18% pro Jahr auf fast 450 Mio. € gestiegen. Der Marktanteil hat sich seit 2019 auf 12% verdoppelt.
Schneller Payback: Eine neue Filiale kostet unter 2 Mio. € (Immobilien werden geleast), ist nach weniger als zwei Monaten profitabel und hat das Invest nach unter zwei Jahren drin.
Der Plan: Von aktuell knapp 60 Filialen auf über 100 bis 2030. Die 40 neuen Stores sollten im Schnitt je 8 Mio. € Umsatz und rund 1,5 Mio. € operativen Gewinn liefern.
Die Börse hat das Modell schon gesehen: 140% Rendite in drei Jahren, der Börsenwert von 1,5 Mrd. € entspricht einem KGV von 25. Rechnet man aber die Expansion durch, könnte der Nettogewinn bis 2030 auf rund 100 Mio. € steigen, das wäre dann nur noch ein KGV von 15. Und da ist noch kein Wachstum in den bestehenden Läden eingerechnet.
Ungewöhnlich für so eine Wachstumsfirma: Puuilo schüttet den Großteil des Gewinns aus und kommt trotz der hohen Bewertung auf über 3% Dividendenrendite.
Saint-Gobain ist 1665 von Ludwig XIV. als königliche Spiegelmanufaktur gegründet worden. Der Grund: Venedig hatte das Spiegelmonopol in Europa, Frankreich hat ein Vermögen für Importe gezahlt. 360 Jahre später ist daraus ein Baustoffkonzern in 81 Ländern mit 46,5 Mrd. € Umsatz geworden. Die Formel ist dabei gleich geblieben: Saint-Gobain liefert immer das Material für das, was die Epoche grade baut.
Aktuell sind das Rechenzentren. Ende Juli hat Saint-Gobain eine Rahmenvereinbarung mit Microsoft gemeldet. In eine Richtung steht der Deal schon: Saint-Gobain nutzt Microsofts KI in der eigenen Produktion. In die andere Richtung wird noch geprüft, wie Saint-Gobain beim Bau von Microsofts Rechenzentren helfen kann.
Das Angebot: Vorgefertigte Sandwich-Paneele für schnellen Bau, feuerfeste Verglasung und Polymerrohre, die direkt die Prozessoren kühlen.
Die Methode: Saint-Gobain nennt es intern "Hero-Produkte". Man kommt über ein Spezialprodukt rein, bei dem es kaum Alternativen gibt, und bietet dann gleich für alles andere mit an.
Die Einordnung: Rechenzentren machen bisher nur ein paar hundert Mio. € Umsatz. Der wichtigste Treiber bleibt der europäische Wohnungsbau. Und da zeichnet sich eine Erholung ab: In Europa ist der Umsatz im zweiten Quartal um 4,1% gewachsen, das stärkste Quartal seit 2022.
Mit 41,5 Mrd. € Börsenwert kommt Saint-Gobain auf ein erwartetes KGV von 13 und fast 3% Dividendenrendite. Die Rechenzentren sind bisher ein kleiner Teil vom Business, könnten aber wachsen. Auch die Besserung im Wohnungsbau wäre positiv. Sicher ist beides nicht.
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