Heute kommt einer der spannendsten Börsengänge des Jahres und er kommt endlich mal aus Europa:
Was war los gestern?
(Stand 30.06.2026, 22:00 Uhr)
DAX
24.996
+1.50%
STOXX 50
6.328
+1.55%
S&P 500
7.499
+0.79%
NASDAQ
26.214
+1.52%
Bitcoin
58.636 $
-2.51%
AeroVironment
165 $
+18.76%
Zahl des Tages: 87%. So viel hat die Aktie von Concentrix in den letzten fünf Jahren verloren. Der Call-Center-Betreiber war allein gestern 11% im Minus, nachdem er die Umsatzerwartung für dieses Jahr gesenkt hat, weil Kunden ihre Ausgaben zurückfahren. KI frisst sich also langsam aber sicher in die Zahlen. Auch der französische Konkurrent Teleperformance hat danach nochmal über 10% verloren. Beide Aktien sind mittlerweile super günstig, aber die entscheidende Frage bleibt: Wie schnell macht KI das Kerngeschäft überflüssig?
Chart der Woche - Worum geht's?
Eine der deutschen Aktien mit der besten Performance in den letzten Jahren hat es dieses Jahr sehr schwer.
Auflösung unten.
Thema des Tages:
MAG7 Dominanz ist vorbei
Die Magnificent Seven haben seit Beginn des Jahres 3% verloren. Allein im Juni waren’s 10% und damit wurden rund 2.300 Mrd. $ an Börsenwert vernichtet. Das ist fast so viel wie alle börsennotierten Firmen in Deutschland zusammen wert sind. Hätte man uns das vor einem Jahr erzählt, hätten wir auf schlechte Gesamtstimmung an der Börse getippt.
Aber das Gegenteil ist der Fall. Der NASDAQ hat im letzten Quartal die beste Quartalsperformance seit 2020 hingelegt (ca. 20% Rendite). Aufs gesamte Halbjahr gesehen sind's immer noch solide 10%.
Wer hat die Magnificent Seven aufgefangen? Chip-Aktien. Der Halbleiterindex Philadelphia Semiconductor hat dieses Jahr über 90% Rendite gemacht und ist damit auf dem Weg zum besten Jahr seit 1999. Ironisch daran: Die Halbleiterfirmen verdienen nur deshalb so viel Geld, weil die Magnificent Seven Milliarden in Chips und Rechenzentren pumpen.
Und was istrichtig schlecht gelaufen? Gold. Der Goldpreis hat im letzten Quartal über 10% verloren, die schwächste Quartalsperformance seit 2013. Gründe: In den USA sieht‘s eher danach aus, als würden die Zinsen wieder steigen (schlecht für Gold). Gleichzeitig hat sich der Dollar stark entwickelt.
Der starke Dollar hat auch den japanischen Yen auf den tiefsten Stand seit 1986 gedrückt. Ein anderer spannender Grund dafür: Viele ausländische Investoren wollen zwar japanische Chip-Aktien kaufen (der Nikkei 225 hat dieses Jahr stark zugelegt), aber nicht das Währungsrisiko tragen. Also sichern sie sich ab, indem sie den Yen leerverkaufen. Wenn das viele gleichzeitig machen, drückt das die Währung zusätzlich nach unten.
Was sonst noch los war:
AeroVironment (+19%) hat starke Quartalszahlen abgeliefert und den Umsatz mehr als verdoppelt.
Warren Buffett hat zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten seine halbjährliche Spende an die Gates Foundation ausgesetzt. Der Grund: Er will abwarten, was bei den Untersuchungen rund um Epstein und Gates rauskommt.
In der Kurz-Analyse:
Berkshire Hathaway 2.0?
Eine der spannendsten Tech-Firmen Europas geht heute an die Börse. Bending Spoons hat Firmen wie Evernote, WeTransfer, Komoot oder AOL gekauft, große Teile vom Team rausgeschmissen, die Umsätze optimiert und im besten Fall das Produkt verbessert. 2023 haben sie Firmen für unter 200 Mio. $ aufgekauft, allein im ersten Quartal 2026 waren‘s Übernahmen für über 2 Mrd. $.
Aber große Übernahmen zu machen ist eine Sache. Sie langfristig rentabel zu entwickeln eine andere. Über die Frage, ob das Geschäftsmodell nachhaltig funktioniert, hat Noah im Podcast mit Tim Schumacher gesprochen. Der Serienunternehmer hinter AdBlock Plus, Sedo und dem World Fund baut mit der SaaS Group selbst eine Holding, die Software-Firmen im großen Stil aufkauft.
Was ihn beeindruckt:
Brutale Effizienz: 2,5 Mio. $ Umsatz pro Mitarbeiter. Das ist besser als SaaS Group, besser als Constellation Software, sogar besser als Big Tech. Schumacher nennt es „die erste gefühllose Softwarefabrik der Welt".
Renditeversprechen: Bending Spoons kalkuliert mit einer Mindestrendite von 25% pro Jahr ohne Schulden, 65% mit Hebel. Ähnliche Werte wie bei Constellation oder der SaaS Group.
Starke Retention: 48% vom Umsatz kommen von Kunden, die schon mindestens fünf Jahre im Abo sind.
Was Sorgen macht:
Schulden-Risiko: Die Übernahmen werden sehr stark fremdfinanziert. Allein im letzten Quartal lag die Zinslast bei 90 Mio. $. Schumacher vergleicht das mit der Immobilienbranche: „Solange die Cashcows laufen, läuft das. Aber wenn die Zinsen explodieren, wird's ein Problem."
M&A-Suchtzyklus: Das organische Wachstum ist sehr gering. Bending Spoons muss immer größere Brocken kaufen, um das Wachstum hochzuhalten. Und das tun sie auch. Constellation hat die Kunst perfektioniert, viele kleine Deals zu machen. Das macht Bending Spoons nicht.
Consumer statt B2B: Im Gegensatz zu Constellation ist Bending Spoons stark im Consumer-Bereich unterwegs. Da gibt's weniger Stickiness. Schumacher: „Niemand hat WeTransfer super tief integriert. Wenn die Leute sich abgezockt fühlen, geht das schnell, dass jemand anderes was baut."
Und die Bewertung? Bei kolportierten 20 Mrd. $ und einem hochgerechneten Jahresumsatz von 2,4 Mrd. $ liegt das Enterprise-Value-to-Sales-Multiple bei 8. Constellation liegt bei 4,5. Vom operativen Gewinn (120 Mio. $ im letzten Quartal) geht der größte Teil für Zinsen drauf. Am Ende ist es eine Venture-Capital-Wette auf die Gründer, so Schumacher. Und darauf, dass die Zinsen nicht zu stark steigen.
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