Bei OpenAI haben innerhalb einer Woche zwei Vorstände die Firma verlassen. Erst Chief Operating Officer Brad Lightcap am Dienstag, dann gestern Chief Revenue Officer Denise Dresser (vorher CEO von Slack, erst seit 9 Monaten dabei). Zwei Abgänge in einer Woche ist schon krass. Wenn man sich an den Rauswurf von Sam Altman und die vielen verworfenen Manager-Beziehungen bei ihm erinnert, hat das keinen positiven Beigeschmack.
Aber einem Konkurrenten geht's dafür umso besser. Mehr dazu unten.
Schönes Wochenende von Timon, Christoph & Noah
Was war los gestern?
(Stand 13.08.2026, 22:00 Uhr)
DAX
26.300
-0.12%
STOXX 50
6.545
+0.18%
S&P 500
7.799
+0.65%
NASDAQ
26.803
+0.81%
Bitcoin
63.400 $
-0.02%
Sandisk
1.528 $
+13.67%
Zahl des Tages:2.000.000.000.000 $. So viel könnte Anthropic laut Financial Times beim Börsengang im Herbst wert sein. Damit wäre die KI-Firma aus dem Stand die siebtwertvollste Firma an der Börse. Manche Investoren sind sogar noch bullisher: Sie rechnen damit, dass Anthropic Ende des Jahres rund 100 Mrd. $ ARR erreicht, also den Umsatz circa verzehnfacht hat. Eine Firma mit dem Wachstumstempo könnte dann auch schnell das 30-fache vom Umsatz wert sein. Also vielleicht sogar 3.000 Mrd. $.
Thema des Tages:
Container-Boom
Für Containerschiffreedereien sind geopolitische Krisen gleichzeitig Problem und Profittreiber. Einerseits leiden sie, weil zum Beispiel Schiffe in der Straße von Hormus feststecken oder weniger Konsum zu weniger Sendungen führt. Andererseits profitieren sie, weil Schiffe dann Umwege fahren müssen.
Und genau das treibt die Preise nach oben. Durch die Umwege sind Schiffe länger auf dem Wasser, die verfügbare Containerkapazität sinkt und die Frachtraten steigen. Für Maersk läuft das so gut, dass die gestern zum dritten Mal in diesem Jahr die Prognose angehoben haben.
Die Aktie hat danach rund 10% zugelegt und steht dieses Jahr circa 30% im Plus. Auch bei Hapag-Lloyd gab's solide Zahlen und ein Plus von 4%.
Was sonst noch los war:
Cisco (-8%) hat im wichtigen Bereich Netzwerktechnik 28% Wachstum geliefert und die Jahresprognose deutlich über den Erwartungen angehoben. Trotzdem hat die Aktie nachgegeben, weil die Bruttomargen wegen gestiegener Kosten (z.B. Speicherchips) etwas schwächer waren und die KI-Umsatzprognose als sehr defensiv wahrgenommen wurde.
Cerebras (-12%) hat weiter Mühe, Investoren von der Nachfrage nach den eigenen Chips zu überzeugen. Vor allem der stagnierende Auftragsbestand hat die Börse besorgt.
Coherent (-8%) hat im Rechenzentrumsbereich rund 60% Wachstum hingelegt. Aber bei einer Aktie, die dieses Jahr schon 80% gestiegen ist, waren Erwartungen scheinbar zu hoch.
Sandisk (+14%) hat eine optimistische Prognose bis 2030 abgegeben. Weil die Börse vor allem Sorgen hat, wie lange der Speicherchipboom hält, ist es ein gutes Zeichen, dass die so langfristig planen.
CXMT aus China hat nach dem Börsengang vor wenigen Tagen bereits Tencent als wertvollste Firma Chinas überholt. Fairerweise lag das auch daran, dass die Tencent-Aktie nach sehr hohen KI-Investments gefallen ist.
JD.com (-7%) hat den ersten Umsatzrückgang seit dem Börsengang 2014 gemeldet. Grund ist auch ein starkes Vorjahresquartal mit staatlicher Konsumförderung, aber trotzdem ein Zeichen, dass das E-Commerce-Business in China aktuell schwierig bleibt.
Netflix (+5%) hat zugelegt, nachdem der legendäre Investor Bill Ackman eine Position aufgebaut hat. Verkauft hat er dafür Aktien von Hertz (-16%).
Birkenstock (+12%) hat die Wachstumsprognose fürs Gesamtjahr erhöht und rechnet jetzt ohne Währungseffekte mit 15% Wachstum. Ob das heiße Wetter geholfen hat? Das Management meinte: Hilft, aber die Umsätze sind auch schon vor dem guten Wetter gewachsen und auch in Märkten mit schlechterem Wetter.
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Trigano kennt man vielleicht nicht, aber Marken wie Challenger, Chausson oder Adria schon. Der Pariser Konzern ist zusammen mit Hymer der größte Wohnmobil-Hersteller Europas und verkauft fast 50.000 Reisemobile pro Jahr. Umsatz: knapp 4 Mrd. €.
Das Geschäftsmodell: Trigano kauft Basisfahrzeuge (meistens von Fiat), baut darauf verschiedene Marken für verschiedene Geldbeutel.
Das letzte Geschäftsjahr (bis August 2025) sah auf den ersten Blick schwach aus: Umsatz -7%, Wohnwagen-Verkäufe sogar um ein Drittel eingebrochen. Aber der Hauptgrund war kein Nachfrageeinbruch, sondern ein selbst herbeigeführter Lagerabbau. Beim Wechsel der Abgasnorm von Euro 6d auf 6e hat Fiat vor dem Stichtag noch schnell alte Fahrgestelle rausgedrückt. Die Händler saßen auf zu viel Ware und haben einfach nicht mehr nachbestellt. Trigano hat daraufhin die Produktion gedrosselt.
Erholung sichtbar: Wohnwagen-Verkäufe liegen inzwischen wieder 15% im Plus, der Umsatz ist im ersten Halbjahr um gut 6% gestiegen.
Regulatorischer Rückenwind: Die neue EU-Führerscheinrichtlinie könnte das erlaubte Gewicht in Klasse B von 3,5 auf 4,25 Tonnen anheben. Moderne Wohnmobile reißen die alte Grenze ständig wegen schwererer Batterien und Technik. Fällt die Hürde weg, kann Trigano größere und damit teurere Fahrzeuge verkaufen.
Kapitalrückfluss: Trigano hat zuletzt Aktien für rund 45 Mio. € zurückgekauft und will damit weitermachen.
Mit 3 Mrd. € Börsenwert kommt der Konzern auf ein erwartetes KGV von 10 und knapp 3% Dividendenrendite.
Burger King ist wieder die zweitgrößte Burgerkette in den USA. Vor knapp 6 Jahren war die Kette hinter Wendy's auf Platz 3 gefallen. Jetzt hat sich das gedreht: Wendy's schrumpft seit sechs Quartalen in Folge in bestehenden Läden, Burger King wächst das fünfte Quartal in Folge.
Burger King gehört zu Restaurant Brands International (RBI), zu dem auch Tim Hortons, Popeyes und Firehouse Subs gehören. Seit 2022 hat RBI knapp 400 Mio. $ in die US-Sparte von Burger King gesteckt, jetzt kommen nochmal 300 Mio. $ obendrauf.
Filialen-Flip: RBI hat vor zwei Jahren seinen größten Franchisenehmer Carrols mit knapp 1.000 Filialen für rund 1 Mrd. $ übernommen. 600 davon werden modernisiert und danach teurer an neue Franchisenehmer weiterverkauft. Bis Ende 2027 sollen alle raus sein.
Neuer Whopper, neue Zahlen: Das Rezept wurde erstmals seit rund zehn Jahren geändert. Der Umsatz pro Filiale ist allein bei Whopper-Produkten um über 20% gestiegen. Im zweiten Quartal hat der Umsatz in bestehenden US-Läden um 8,5% zugelegt und die Burger-Branche um über neun Prozentpunkte geschlagen.
Einfache Preisstrategie: Während die Konkurrenz mit unzähligen Rabattaktionen um sich geworfen hat, hat Burger King nur zwei Angebote gefahren: zwei Sachen für 5 $, drei für 7 $.
ABER: Die gestiegenen Rindfleischpreise (Allzeithoch) drücken auf die Margen, Rindfleisch macht rund ein Viertel vom Wareneinkauf aus. Dazu schwächeln die anderen RBI-Marken: Tim Hortons wächst kaum noch, Popeyes ist um über 5% geschrumpft.
RBI wird mit 33 Mrd. $ Börsenwert und einem erwarteten KGV von 17 gehandelt. Der Schnitt der letzten 3, 5 und 10 Jahre liegt eher bei 20. Dazu gibt's über 3% Dividendenrendite.
Ich hab ja hier schon hin und wieder Videos von Wendover Productions verlinkt. Echt geil recherchierte und gemachte Videos zu den Hintergründen großer wirtschaftlicher und politischer Themen. Oft aus Perspektiven, die man sonst nicht so hört. Sehr stark fand ich das neue Video zu Taiwan und wie gut ihr Militär gegen einen Angriff Chinas gerüstet ist. Viele überraschende Aspekte dabei.
Zweiten Link haben sicher viele gelesen, ich verlink ihn trotzdem noch einmal: Der berühmte Tech-Analyst Ben Thompson hat den neuen 500 Mrd. $ Deal zwischen NVIDIA, BlackRock & Co. kritisch historisch eingeordnet.
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