Ein KI-Agent von OpenAIist aus einer eigentlich abgeschirmten Umgebung ausgebrochen und hat das KI-Startup Hugging Face gehackt. Keine guten Nachrichten für die Sicherheitssysteme.
Anthropic hat den OpenAI-Vorfall direkt genutzt und seine Spenden für die politische Gruppe Public First Action von 20 auf 40 Mio. $ verdoppelt. Die Gruppe setzt sich für staatliche Beschränkungen starker KI-Modelle ein. Kann Zufall sein, dass sie das genau gestern gemeldet haben. Kann auch Strategie sein.
Was war los gestern?
(Stand 22.07.2026, 22:00 Uhr)
DAX
25.155
+0.58%
STOXX 50
6.317
+0.50%
S&P 500
7.499
-0.14%
NASDAQ
25.691
-0.57%
Bitcoin
65.888 $
-0.93%
GE Vernova
985 $
-8.69%
Zahl des Tages:5.000.000.000 $. So viel will AMD (+1%) in Anthropic investieren. Im Gegenzug soll Anthropic AMD-Chips für zig Milliarden kaufen. Klassischer KI-Deal, der sich im Kreis dreht.
Thema des Tages:
Alphabet liefert, Reddit zittert
Alphabet hat gestern als erste große KI-Firma diese Berichtssaison Zahlen geliefert.
Aber bevor wir zu den Zahlen kommen, muss man auf eine Aktie schauen, die Alphabet gestern 10% ins Minus gedrückt hat: Reddit.
Laut dem Wall Street Journal denkt Reddit darüber nach, Google keinen Zugang mehr zu seinen Daten zu geben. Bisher hat Google diese Daten genutzt, um die eigene KI zu trainieren.
Reddit merkt aber, dass die AI Overviews bei Google dafür sorgen, dass Nutzer weniger auf Reddit-Seiten klicken. Die Antworten tauchen direkt in der Google-Suche auf, der Umweg über Reddit fällt weg. Und diesen Besuchereinbruch will Reddit nicht auch noch selbst fördern, indem sie Googles KI mit eigenen Daten besser machen.
Aber jetzt zu den Zahlen:
Wenn man auf die großen Zahlen schaut, war alles perfekt: Der Umsatz ist 24% auf fast 120 Mrd. $ gestiegen und war damit um die 3 Mrd. $ über den Erwartungen. Und der Nachsteuergewinn hat sich auf 112 Mrd. $ sogar circa verdreifacht.
Aber: Zum Nachsteuergewinn muss man sagen, dass der zum großen Teil durch einen Sondereffekt kam. Nämlich vor allem daher, dass Alphabet großer Investor bei SpaceX war und bei dem IPO einen gigantischen Buchgewinn gemacht hat.
Und zum Umsatz muss man sagen, dass vor allem die Cloud-Sparte gut performt – die ist 82% gewachsen und damit viel schneller als erwartet. Gleichzeitig hat das klassische Kerngeschäft mit der Suchmaschine die Erwartungen aber leicht verfehlt und zum Cloud-Wachstum kam auch der Reminder, dass man dafür extrem viel Geld in Rechenzentren investieren muss. Alleine letztes Quartal gab's 45 Mrd. $ an Capex und damit rund 1 Mrd. $ mehr als erwartet.
Entsprechend hat die Aktie nach Börsenschluss weder positiv noch negativ reagiert.
Was sonst noch los war:
Super Micro (+20%) hat starke Quartalszahlen geliefert. Nicht nur die Aufträge waren hoch, vor allem die erwarteten Bruttomargen von 15-17% fürs nächste Quartal haben überrascht (vorher wurden eher 8% erwartet). Die niedrigen Margen waren immer ein großer Kritikpunkt. Spannend wird, ob sie das Niveau halten können.
Airbus (+5%) rechnet bis 2029 mit einem operativen Gewinn von rund 12 Mrd. € und will in den nächsten drei Jahren eigene Aktien für 5 Mrd. € zurückkaufen. Bei einer Firma mit 150 Mrd. € Börsenwert ist beides relevant.
GE Vernova (-9%) hat trotz starker Zahlen verloren. Die Aufträge waren mit 24 Mrd. $ fast 90% über Vorjahr, aber die Aktie war dieses Jahr schon wieder über 60% gestiegen. Bei so hohen Erwartungen reichen gute Quartalszahlen oft nicht mehr.
Rocket Lab (+1%) darf für die US Air Force Raketen ins All schießen und kriegt dafür 266 Mio. $. Bei einer Firma mit 40 Mrd. $ Börsenwert kein Gamechanger, aber ein gutes Signal.
SpaceX treibt laut The Information die Planungen für ein riesiges Rechenzentrum in Texas voran. Noch ein Zeichen dafür, wie heiß der Markt für KI-Infrastruktur bleibt.
ServiceNow hat die Prognose fürs Gesamtjahr angehoben, wenn auch nur minimal, und die Aktie ist leicht gestiegen. Bei den ganzen KI-Sorgen reichen dann auch solide Zahlen für Rendite.
Nach Börsenschluss hat noch Tesla leicht verloren. Die haben zwar den Umsatz 23% gesteigert und damit viel schneller als erwartet, aber die Bruttomarge war mit 17% weit unter den Erwartungen von über 19%.
In der Kurz-Analyse:
KI in Steckdose
Legrand aus Frankreich macht fast 10 Mrd. € Umsatz mit allem zwischen Hausanschluss und Steckdose: Sicherungskästen, Kabelkanäle, Schalter. Klingt langweilig, bringt aber eine EBIT-Marge von rund 20%.
Der Grund: Legrand verkauft keine Massenware, sondern Nischenprodukte, bei denen Zulassungen und Markennamen zählen. Ein Schalter macht einen winzigen Teil der Baukosten aus, da spart niemand.
Das Wachstumsmodell: Legrand kauft seit Jahrzehnten kleine Spezialisten zu. Allein 2025 waren es sieben Firmen. Von den insgesamt 13% Umsatzwachstum kam rund ein Drittel aus Übernahmen.
Die KI-Fantasie: Auch in Rechenzentren muss Strom verteilt, abgesichert und verkabelt werden. Legrand hat passende Firmen zugekauft und ist zu einem der großen Ausrüster geworden. Anders als Vertiv (komplette Kühlsysteme) liefert Legrand Standardkomponenten, die praktisch jedes Rechenzentrum braucht.
Der Hebel: Das Rechenzentrum-Geschäft hat sich von 2020 bis 2025 mehr als verdreifacht. Gut ein Viertel vom Konzernumsatz kommt schon aus Rechenzentren, langfristig hält Legrand 30% für möglich. Dazu kommen 40% des Umsatzes aus Nordamerika, also genau von dort, wo die meisten Rechenzentren entstehen.
Die Geschichte: Schneider Electric wollte Legrand schon 2001 kaufen und hatte 98% der Aktien eingesammelt, aber die EU-Kommission hat die Fusion verboten. Damals war Legrand rund 4 Mrd. € wert. Heute sind‘s 40 Mrd. €.
Aber Legrand ist kein reiner KI-Profiteur. Der Konzern hängt auch an der Bauwirtschaft, und die macht Probleme. In Europa liegen zwei schwache Jahre hinter uns, in den USA bleibt der Wohnungsbau wegen hoher Zinsen schwach. Die Bewertung liegt beim 24-fachen des erwarteten Gewinns, ungefähr im Fünfjahresschnitt. Dazu gibt's knapp 2% Dividendenrendite.
Drei Krypto-Themen, die man diese Woche mitbekommen sollte:
Regulierung kommt näher: Krypto-Aktien wie Coinbase und Circle haben am Dienstag rund 10% zugelegt. Der Grund: Die große US-Krypto-Regulierung (Clarity Act) scheint endlich auf einem guten Weg zu sein. Ein zentraler Streitpunkt war ein Ethik-Paragraph, der verhindern soll, dass Politiker (vor allem Trump) selbst von Krypto profitieren. Das Weiße Haus hat sich jetzt offenbar mit einigen Senatoren geeinigt. Sicher ist der Abschluss noch nicht, aber für Kryptofirmen wäre die regulatorische Klarheit ein großer Schritt.
S&P-Index ohne Bitcoin: S&P hat einen neuen Krypto-Index mit 18 Coins aufgelegt. Die fünf größten: Ether, Binance, Solana, Tronix und Hyperliquid. Bitcoin ist bewusst nicht dabei. S&P verfolgt den Ansatz aus der Aktienwelt und will nur Kryptos mit fundamentalem Wert und echtem Umsatz. Bei Ethereum fallen zum Beispiel Transaktionsgebühren an, ein Teil der Coins wird danach verbrannt, was wie ein Aktienrückkauf den Wert der übrigen Coins steigert. Bitcoin funktioniert eher wie Gold, ohne Cashflows oder Umsätze. Spannender Ansatz, auch wenn die umsatzstärksten Coins in der Kryptowelt nicht automatisch die wertvollsten sind.
Peptide zahlen mit Bitcoin: Der Longevity-Trend in den USA hat einen Peptid-Boom ausgelöst. Neben den offiziellen Abnehmspritzen von Novo und Eli Lilly gibt's immer mehr nicht zugelassene Peptide aus Asien. Weil Kreditkartenzahlungen bei diesen Graubereich-Anbietern oft nicht möglich sind, wird mit Bitcoin bezahlt. Laut Bloomberg haben Peptid-Firmen allein im ersten Quartal 2026 rund 32 Mio. $ an Kryptos kassiert, 700% mehr als vor einem Jahr.
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